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Buch über Cyber-Krieg : Wie der Staat Kriminellen in die Hände spielt

  • -Aktualisiert am

Reich der Daten: Serversäulen im Rechenzentrum einer Moskauer Bank Bild: Bloomberg

Geheimdienste lieben Sicherheitslücken: Marc Goodmans, IT-Experte und Berater des FBI, zeichnet in seinem Buch „Global Hack“ ein bedrohliches Panorama der Gefahren im Internet.

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          Dies ist ein Buch über Mensch und Maschine und darüber, wie der Sklave zum Herrn werden könnte“, so Marc Goodman über seine Darstellung der Sicherheitslage im Internet. Der IT-Experte, Ex-Polizist und Berater des FBI betont in seiner Einleitung, technologiefreundlich zu sein und keine Panik verbreiten zu wollen. Er tut dies dann aber doch, indem er schlicht die Realität beschreibt.

          Geheimdienste, Hacker, Verbrechersyndikate und Internetwirtschaft machen sich die Schwächen der technischen Systeme und ihrer User zunutze, bereichern sich an den Daten von Bürgern, destabilisieren die öffentliche Ordnung und verursachen mit ein paar Zeilen Code Milliardenschäden. Die Lage ist trist, das würden die Leser aber auch erkennen, wenn der Autor seinen Alarmismus etwas gezügelt hätte.

          Zero-Days sind rar

          Denn die Probleme, die Goodman kenntnisreich beschreibt und anhand zahlreicher Beispiele belegt, sind schwerwiegend genug. Man kennt sie aus der laufenden Berichterstattung, den Nachrichten über die NSA, über das Schwarzmarktportal Silk Road, über die Anonymous-Hacks, aber zusammengefasst entwickeln die unzähligen Datenlecks, Schadsoftwareangriffe, legalen und illegalen Betrügereien nochmals eine besondere Wucht. Seine Quellen hat Goodman im umfangreichen Anhang in Form von Endnoten ausgewiesen. Aussagekräftigere Titel für die Kapitel als „Big Data - Big Risk“ und „Hasser müssen hassen“ oder ein Register hätten den Nutzwert des Buches gesteigert.

          Besonders prognostiziert er, dass sich die gegenwärtigen Sicherheitsprobleme noch exponentiell vervielfachen werden, weil zusehends mehr Haushaltsgeräte und Industrieanlagen ans Netz gehen. Die Verteidiger sind gegenüber den Angreifern im Nachteil, denn einem böswilligen Akteur reicht oft nur eine einzige Schwachstelle in den Systemen, um ans Ziel zu gelangen - in Goodmans Branche spricht man von asymmetrischer Bedrohung.

          Einer der prominentesten Fälle für einen gelungenen Angriff auf eine vernetzte Industrieanlage ist jener auf die iranische Atomanlage Natans mit der Schadsoftware Stuxnet, er darf in Goodmans Buch nicht fehlen. Stuxnet wurde über einen infizierten USB-Stick in Natans eingeschleust. Das Virus verbreitete sich schnell im internen Netzwerk und ließ die dortigen Siemens-Industriecomputer die Zentrifugen zur Anreicherung von Uran falsch ansteuern, so dass diese sich selbst beschädigten. Wer im Netz für einen professionell geführten Angriff verantwortlich ist, lässt sich nur sehr schwer mit Sicherheit feststellen. Renommierte Sicherheitsexperten sind sich aber sicher, dass Stuxnet zu dem Zweck entwickelt wurde, die iranische Anlage gezielt zu sabotieren. Stuxnet zu entwickeln war kostspielig und erforderte unter anderem die Kenntnis über mehrere bis dahin nicht dokumentierte Sicherheitslücken in Microsoft Windows.

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