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Fragen an Mosebachs neuen Roman : Schriftsteller, ans Telefon!

Auch die Gastronomie spielt eine wichtige Rolle in „Das Blutbuchenfest“: Martin Mosebach in einem Frankfurter Lokal Bild: Gyarmaty, Jens

Am kommenden Montag erscheint der neue Roman von Martin Mosebach, schon vorab gerühmt und für Preise nominiert. Doch das Buch wirft gravierende literarische Fragen auf.

          Am Montag erscheint das neue Buch von Martin Mosebach. Erste hymnische Rezensionen auf „Das Blutbuchenfest“ sind aber schon erschienen. Das Buch des Büchnerpreisträgers behandelt in der Tat gewichtige gesellschaftspolitische und ästhetische Fragen. Vor allem jedoch wirft es selbst literarische Fragen auf.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Das größtenteils in Frankfurt am Main, aber an entscheidender Stelle auch in Bosnien angesiedelte Romangeschehen ist zeitlich klar situiert: „In Kroatien tobte seit Monaten ein städtezerstörender Krieg, während Bosnien noch außerhalb des Rings verharrte, in dem die Schlachten ausgetragen wurden“, heißt es kurz vor Schluss. Das legt für die im Sommer des Vorjahrs einsetzende Handlung die Zeit von 1990 bis 1991 fest. Als Mosebach in der vergangenen Woche im Literarischen Colloquium Berlin sein Buch vorstellte, kam deshalb die Frage auf, wie es sich damit verhalte, dass die Protagonisten munter Handys nutzen, obwohl in Deutschland erst 1992 allgemein zugängliche digitale Netze ihren Betrieb aufnahmen – von Bosnien ganz zu schweigen, aus dem und mit dem zum Finale des „Blutbuchenfests“ ganz besonders intensiv mobil telefoniert wird. Mosebach antwortete, er habe beim Schreiben gar nicht darüber nachgedacht und sich, als das Lektorat ihn auf den Fehler hinwies, entschieden, nichts mehr daran zu ändern. „Bewusster Anachronismus“ nennen das nun seine Lobpreiser.

          Eine unbewusste Bankrotterklärung

          Nun, probieren wir mögliche Lesarten: Handelt es sich um phantastischen Realismus, alternative Geschichtsschreibung, retrospektive Science-Fiction, gar eine Komödie? Viermal nein. Mosebach meint es ernst, das macht sein Schreiben aus. Und darum ist seine Leichtigkeit im Gebrauch des Irrealen eine unbewusste Bankrotterklärung. Nicht, weil es literarisch unzulässig wäre, Irreales in einen Roman einzuführen. Doch dann müsste das ein Stilprinzip sein, und so etwas erforderte entsprechende Signale. Das Buch gibt aber keine, und deshalb zerbricht es, weil es zwar realistisch sein will, sein Autor jedoch nicht mehr weiß, wie man 1991 lebte. Weil es einen himmelschreienden Kontrast zwischen dem saturierten Deutschland und einer noch in archaischen Mustern denkenden, aber ganz leicht erreichbaren notleidenden Gesellschaft zum Thema macht, obwohl damals kein Flüchtling in Bosnien vom Lastwagen herab in Frankfurt hat anrufen können, wo gerade ein exzessives Gartenfest tobt. Es gibt kein richtiges Erzählen im falschen Schreiben.

          Schon deshalb nicht, weil man bei der Lektüre immer darauf lauert, wann denn das nächste Mal ein vor dem Nebenbuhler flüchtender Geliebter im Wandschrank sein „schwarzes teures Ding“ hervorzieht, wann wieder „kleine Telephone im Hosengürtel“ zum Schweigen gebracht werden oder die Angebetete abermals „ihr Telephon vor sich hin brummen ließ wie eine unter Glas gefangene Hummel“. Dreizehn Mal werden in Mosebachs neuem Roman mobile Gespräche geführt – oft genug jedenfalls, dass man den Gedanken an diese groteske erzählerische Willkür oder Sorglosigkeit nicht mehr los wird. Was von beidem unerfreulicher ist, sei dahingestellt.

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