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F.A.Z.-Sachbücher der Woche : Ein Weltreisender in Sachen Kunst

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Bild: Siehe Verlage

Ein Band versammelt Briefe und Aufzeichnungen von Carl Justi, Hans Richard Brittnacher verfolgt die Geschichte des Zigeunerbilds und der Philosoph John R. Searle beschäftigt sich weiter mit sozialen Wirklichkeiten. Dies und mehr in den F.A.Z.-Sachbüchern der Woche.

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          Ein Band versammelt Briefe und Aufzeichnungen von Carl Justi, Hans Richard Brittnacher verfolgt die Geschichte des Zigeunerbilds und der Philosoph John R. Searle beschäftigt sich weiter mit sozialen Wirklichkeiten. Dies und mehr in den F.A.Z.-Sachbüchern der Woche.

          Bei Dürer in Nürnberg, bei El Greco in Düsseldorf, bei Raffael in Dresden steht das Publikum Schlange. Die Gemäldegalerie in Dresden und die Pinakothek in München werden, zumal im Sommer, vom Publikum geflutet. Warum bleiben solche Ströme in der nicht weniger glanzvollen, wenn auch bürgerlicheren Berliner Gemäldegalerie aus? Sie wartet mit keinem Palast auf, das städtebauliche Ambiente stößt ab, die Zugangsbereiche sind wenig einladend. Im Inneren aber entfaltet sich ein fast makelloses Bilderparadies. Das freilich ließe sich noch besser erschließen und näherbringen, wenn die Regie nicht mit Informationen geizte und die Inhalte und Geschicke, die Herkunft und Geschichte der Bilder uns vorenthielte.

          In der Vermittlung ist die National Gallery in London den Berlinern weit voraus. Die Bildetiketten sind hier einsilbig, man erfährt nichts darüber, wann Caravaggio, Tizian oder Rembrandt in die Sammlung kamen, ob sie aus kurfürstlichen oder friderizianischen Zeiten, aus der römischen Sammlung Giustiniani oder von Solly, Suermondt oder Simon stammen und welcher der berühmten Berliner Direktoren sie erwarb. Der Besucher erführe auch gern, was in der Nachkriegszeit dazugekommen ist, ob die bedrängte Galerie, wie heute polemisch behauptet, wirklich stagnierte. Hinweisen wäre zu entnehmen, dass der Erwerbseifer nach 1945 sich nicht hinter den großen Epochen zu verstecken braucht, dass eine Fülle von Meisterwerken dazukam und man die Kriegsverluste auszugleichen versuchte.

          Eine Art informeller Berater der Berliner Museen

          Die spannenden Bilddebatten, Entdeckungs- und Erwerbsgeschichten leben wieder auf, wenn man sich in eine neue Edition ausgewählter und sorgfältig kommentierter Briefe von Carl Justi, dem Bonner Kunsthistoriker (1832 bis 1912) vertieft. Kernstück ist die Korrespondenz mit dem jüngeren Wilhelm Bode, dem Berliner Museumsgranden (1845 bis 1929). Justi war der Hauptvertreter einer gründerzeitlichen Kunstgeschichtsschreibung, der Monographien von literarischem Rang Winckelmann, Velázquez oder Michelangelo widmete. Er entwarf sie als Bilder großer und autonomer Männer, die Geschichte machten, als Beispiele auch von Vollendungsidealen, die er seiner eigenen, bedürftigen Epoche als Vorbilder vor Augen stellen wollte. Justi war keineswegs bloß akademischer Büchermensch, er war Kenner, Forscher, Entdecker, ja Weltreisender in Sachen Kunst, der Europa von Valencia bis St. Petersburg durchstreifte, der italienische Sammlungen durchsuchte, den höchst ergiebigen englischen Kunstmarkt beobachtete und Bode Hinweise gab, der sich immer wieder gedrängt fühlte, seine „Anschauung aufzufrischen“ und sein Urteil an den Originalen zu überprüfen.

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