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F.A.Z.-Sachbücher der Woche : Die Preise fliegen über den Markt

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Die moderne Kunst hatte sich also in Folge der Weltwirtschaftskrise von 1929 zuerst verbilligt, zog dann aber im Preisniveau wieder an, trotz 1933, trotz der Nationalsozialisten und auch trotz der Ausstellung „Entarte Kunst“. Wie kann das sein? Die erfreuliche Nachricht lautet: Die Moderne hatte einen festeren Sitz in der Gesellschaft als bisher angenommen. Moderne Malerei wurde auch in Zeiten massiver Propaganda weiter nachgefragt, die inländischen Preise übertrafen jene, die im Ausland gezahlt wurden - auch das kann man bei Jeuthe nachlesen.

Ein Verkaufsverbotfür bestimmte Verdikte

Die Nachfrage blieb nämlich nicht nur relativ stabil, sie war auch häufig legal. Auch das räumt mit einer gängigen Annahme auf - der Vorstellung, moderne Kunst hätte im Nationalsozialismus nur auf einem „illegalen Schattenmarkt“ erworben werden können. Otto Dix und Erich Heckel etwa, die beide in der Ausstellung „Entartete Kunst“ diffamiert wurden, blieben, nachdem sie den Ariernachweis erbracht hatten, Mitglieder der Reichskammer der bildenden Künste. Sie durften also offiziell weiter arbeiten und verkaufen. Auch Sammler wie Josef Haubrich oder Bernhard Sprengel konnten viele Werke ganz offiziell auf dem Markt erwerben. Und Emil Nolde beispielsweise reichte 1940 eine Steuererklärung ein, in der er Einnahmen von 80 000 Reichsmark angab. Diese Zahl ist bekannt wie auch die Tatsache, dass er daraufhin Berufsverbot erhielt. Weniger bekannt war allerdings, dass Werke von ihm auch danach weiter gehandelt wurden. Jeuthe schreibt: „Demnach hatte die Ausstellung ,Entartete Kunst’ von 1937 sowie das 1941 verhängte Berufsverbot offenbar keine größeren Auswirkung auf Noldes Verkaufspreise.“ Nolde war keine Ausnahme. Für viele der zwölf untersuchten Künstler gilt, dass sie das Preisniveau halten konnten. Billiger waren die Werke meist nur auf Auktionen zu haben. Hier lagen die Preise meist unter den handelsüblichen.

Welche Geschichte erzählen Preise? Neu sortiert werden zunächst einmal die Fakten. Es ist natürlich richtig, dass es verboten war, im Inland mit beschlagnahmten Museumswerken zu handeln oder Werke zu verkaufen, die unter einem Berufsverbot gemalt worden waren. Falsch ist jedoch, das nationalsozialistische Verdikt „entartet“ allgemein mit Berufs-, Mal- und Verkaufsverbot gleichzusetzen. Die angeführten Fälle von Dix, Heckel oder Nolde zeigen es bereits. Mehr noch: Was „entartet“ überhaupt bedeutet, sorgte selbst unter den Nationalsozialisten für Verwirrung. Ein Mitglied der nationalsozialistischen Verwertungskommission, die mit dem Verkauf beschlagnahmter Werke beauftragt war, erkundigte sich noch 1942 bei seinen Vorgesetzten, ob Franz Marc und Ernst Ludwig Kirchner zu den „entarteten Künstlern“ gezählt werden müssten.

Was den deutschen Expressionismus anbetrifft, war zwar bekannt, dass es bis 1937 Versuche gab, diesen als Staatskunst zu etablieren. Dass sich jedoch auch nach 1937 durchgehend Widersprüche in der offiziellen Kulturpolitik nachweisen lassen, ist dagegen neu.

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