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F.A.Z.-Sachbücher der Woche : Das Unmögliche ist immer möglich

  • Aktualisiert am
          3 Min.

          Thor Heyerdahl kam mit Totenschädeln nach Berlin, China hat eine ganz eigene Interpretation des Völkerrechts, und ein Sammelband widmet sich dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Dies und mehr in den F.A.Z.-Sachbüchern der Woche.

          Man muss schon an den edlen Wilden glauben, bevor man sich auf die Suche nach dem Rückweg ins Paradies macht. Und recht naiv sein, um sich auf Abmachungen mit Hitlers Rassenideologen einzulassen. Und äußerst ambitioniert, um sich als Nichtschwimmer drei Monate lang auf einem Floß im Pazifik treiben zu lassen - einer umzutopfenden Kokusnuss zuliebe. Aber sei’s drum, Thor Heyerdahl hat es kurz vor und nach dem Weltkrieg mit zeitreisehaften Expeditionen zu „Forscherruhm“ gebracht, und auch wenn die Meinungen darüber auseinandergehen, ob der schöne Norweger dem egozentrischen Abenteurer näher war als dem brillianten Wissenschaftler - Zauberworte wie „Fatuhiva“ und „Kon-Tiki“ führte eine ganze Generation auf den Lippen. Als werde mit ihnen alles wieder gut.

          Umso aufregender ist es, dass die 2005 erschienene Heyerdahl-Biographie von Ragnar Kvam nun auch in deutscher Sprache vorliegt. Zwar wurde sie gekürzt, so dass uns der ältere, mit Papyrusbooten über den Atlantik oder im Schilfboot Richtung Rotes Meer schippernde „Action-Anthropologe“ und einige amouröse Details fehlen, die für Gesprächsstoff sorgten.

          Vom Paradies desillusioniert

          Doch das Buch hat seinen Charme, es ist flott geschrieben, es spült die Leser mit jedem neuen Kapitel in eine andere exotische Kulisse: nach Norwegen, in die Südsee, nach British Columbia, Colorado, New York und Peru. Und vor allem erstarrt Kvam vor dem Nationaldenkmal Heyerdahl, vor einem Mann also, der immer darauf gehofft haben muss, dass man seinen Namen in einem Atemzug mit Roald Amundsen und Fridtjof Nansen nennen wird - beim Tod der beiden Polarforscher, 1928 und 1930, war er ein Jugendlicher - nicht vollends in Ehrfurcht.

          Der Abenteurer, dessen „Kon-Tiki“-Expedition Norwegen 1947 einen Teil des in der Okkupationszeit verlorenen Selbstwertgefühls zurückgab, mag den bis heute anhaltenden Heldenrummel ebenso verdient haben wie der jahrzehntelang um fachliche Anerkennung seiner Thesen ringende Wissenschaftler.

          Bild: Verlag

          Doch der von den Zuständen im Paradies desillusionierte, mit seinem ersten Experiment gescheiterte Student, der die auf „Fatuhiva“ stibitzten Totenschädel im Februar 1938 zu Hans F. Günther nach Berlin brachte, „zu einer charakterfesten Rasse“, die man nicht mit „Franzosen, Spaniern und Polynesiern“ vergleichen könne, wirft durchaus Fragen auf, denen man sich nach der Lektüre der zugehörigen Seiten bei Kvam noch einmal widmen sollte - völlig unabhängig davon, dass Heyerdahl später in norwegischer Uniform die befreite Finnmark erkundete. Und trotz der vielsagenden, gleich nach der Buchveröffentlichung in Norwegen um eine Entschärfung der eigenen Hinweise bemühten Beteuerung Kvams, man dürfe das alles nicht überbewerten.

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