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F.A.Z.-Sachbücher der Woche : Das Glück am falschen Ort gesucht

  • Aktualisiert am

Bild: Verlag

Das neue Buch von Jürgen Todenhöfer gibt Einblicke in ein ebenso erfolgreiches wie versehrtes Leben. Otto Neuraths visuelle Autobiographie liegt nun endlich vor und Parsua Bashis Briefe aus Teheran schildern den komplizierten Alltag zwischen zwei Welten. Dies und mehr in den F.A.Z. - Sachbüchern der Woche.

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          Hinter dem Freimut, mit dem Jürgen Todenhöfer über biographische Niederlagen und Lebenslügen spricht, steht auf jeder Seite seines neuen Buches die Freude, ja Ehrfurcht über „dieses kurze Seindürfen“, wie es der Siebzigjährige nennt. Dass er überhaupt ist und nicht etwas nicht, ist für Todenhöfer keine abstrakte philosophische Überlegung, sondern der Witz jeden Tages. Präzise erinnernd erzählt er aus seinem Leben wie ein Pausenclown (so Todenhöfer über sich selbst), der durch das Stück eines politischen Tausendsassas und langjährigen Medienmanagers führt.

          Bei allem Schwanken zwischen Demutsgesten und Koketterie ist ihm ein beinahe kindlich-staunendes Buch gelungen. Der leichte, nicht selten heiter-humorvolle Tonfall wechselt mit Maximen in der Tradition barocker Klugheitsregeln, die Todenhöfer einstreut, teils mit ausdrücklicher Berufung auf Klugheitslehrer wie Baltasar Gracián und dabei keinen Zweifel lassend, dass es nicht etwa um Glücksrezepte geht, sondern um sich gern auch widersprechende Empfehlungen, die erst in der Lebenssituation Gestalt gewinnen, sollen sie nicht leere Sprüche bleiben.

          Ideale schlagen Zynismus

          „Ich habe das Glück fünfzig Jahre lang am falschen Ort gesucht“, gesteht Todenhöfer in nachgerade augustinischer Zerknirschung. „Ich habe es gesucht im süßen Leben, das ich als Jugendlicher trotz leerer Taschen reichlich genossen habe. Im Ruhm, der sich allerdings nur kurz für mich interessierte. Und im Wohlstand, um den ich hart kämpfen musste. In all diesen Dingen habe ich es nicht gefunden. Heute weiß ich, dass man das wahre Glück nicht in materiellen Dingen, nicht in Äußerlichkeiten suchen darf. Sondern nur in sich selbst.“ Man stutzt zunächst über derartige Konfessionen.

          Sie scheinen, wenn nicht naiv, dann doch von einer solchen Allgemeinheit, dass jeder sich mit ihnen einverstanden erklären, jeder sie als Versuchungen seines eigenen Lebens darlegen könnte. Und doch machen sie im Kontext der konkreten biographischen Erzählungen eher staunen darüber, dass hier eine Figur aus dem politischen und medialen Hochbetrieb offenkundig nicht dem Zynismus verfallen ist, dass hier jemand Ideale behauptet, ohne sie gleich wieder psychologisierend zu entmachten und sich im Gegenteil an diesen Idealen zu messen bereit ist. Das verdient für sich genommen schon Respekt und hat als Lebenshaltung der Dankbarkeit und Demut etwas Anrührendes gerade bei jemandem, den man als provokanten Politiker und durchsetzungsstarken Manager im Gedächtnis behalten hat.

          Geh durch die dunklen Täler, immer weiter bis zum Ziel

          „Ab meinem zweiundzwanzigsten Lebensjahr habe ich mich endlich, dann aber viel zu sehr in die Arbeit gestürzt. In meiner Arbeitswut habe ich es versäumt, den Menschen, die bereit waren, meine Wege mitzugehen, die Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken, die sie brauchten. Irgendwann habe ich sie alle verloren. Es wurde schwer, mit mir zu leben - selbst für mich.“

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