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F.A.Z.-Romane der Woche : Jenseits der Eismauer lauern todbringende Geistwesen

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Mit jedem Durchgang wird die Handlung undurchschaubarer

Zu Beginn des ersten deutschen Halbbands macht sich Tyrion auf die Reise zu Daenerys, die inzwischen um einen Ehemann ärmer, aber um drei junge Drachen reicher ist und in der von ihr eroberten Sklavenhalterstadt Meereen unmittelbar vor dem Aufbruch in die Heimat zu stehen scheint. Unterwegs stößt er auf den Greifensohn, der dem Teilband den Titel gibt, angeblich ein begabter junger Krieger, in Wahrheit aber Prinz Aegon Targaryen, Sohn von Kronprinz Rhaegar, dem Bruder der Prinzessin. Bisher waren Martins Leser davon ausgegangen, dass er als Kleinkind bei der Eroberung der Hauptstadt durch den neuen König Robert Baratheon ermordet worden war. Nun gibt es mit ihm neben Daenerys einen weiteren Thronprätendenten. Sein Auftauchen vervielfältigt die Entwicklungsmöglichkeiten der Handlung. Es ist kennzeichnend für Martin, dass er es dabei nicht belässt, sondern auch noch den jungen dornischen Prinzen Quentyn Martell auf die Fahrt zur Drachenherrin schickt und die auf das Erringen ihrer Hand oder ihres Wohlwollens ausgerichtete Handlung des Bandes damit auf einen Schlag verdoppelt.

Die strategische und taktische Berechnung, mit der alle Beteiligten an solchen ehelichen und politischen Allianzen arbeiten, findet eine natürliche Entsprechung in Martins Erzählen, einer geduldig geführten Kampagne voller Ausweichbewegungen, in der die scheinbare Preisgabe von Informationen und das Zurückhalten entscheidender Fakten aus einem reichen erzählerischen Waffenarsenal schöpfen. Die narrative Brillanz der Serie und ihre psychologische Komplexität sind dabei seit dem ersten Band den Überflussverfahren der Kolportage geschuldet. Martin häuft Personen, Ereignisse und Zufälle aufeinander und versetzt die Handlung in eine Dauererregung überraschender Wendungen. So ist Theon Graufreud, einst Geisel des den Norden der Sieben Königreiche beherrschenden Hauses Stark und später allem Anschein nach der Mörder zweier Kinder der Familie, noch am Leben. In einer weiteren Volte hat Ramsay Bolton, Sohn eines Stark-Vasallen, ihn durch Folter gebrochen und in eine erniedrigende Narrenrolle gezwungen, die er am Hof der Starks aus perverser Lust an Erniedrigung und Ekel einst selbst spielte. Noch deutlicher als in den Vorgängerbänden folgt Martin in solchen Momenten der Dramaturgie des Computerspiels - mit jedem Durchgang wird die Handlung undurchschaubarer und schwieriger.

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