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Die F.A.Z.-Adventsromane : Das Lachen der Landmaschine

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Josh Weil rettet die Novelle, Siegfried Lenz feiert Maskenball am Meer, Robert Harris hat keine Angst vor Geld, und Mircea Cartarescu verschenkt Wundertüten: Die F.A.Z.-Adventsromane.

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          Siegfried Lenz feiert Maskenball am Meer, Robert Harris hat keine Angst vor Geld, und Mircea Cartarescu verschenkt Wundertüten: Die F.A.Z.-Adventsromane.

          Die einzige Novelle, die in diesem an unerhörten Begebenheiten so reichen Herbst erschienen ist, stammt aus der Feder von Josh Weil. Der junge, 1976 geborene Amerikaner ist ein geübter Autor kurzer Prosastücke; als in den Vereinigten Staaten vor zwei Jahren sein erster Novellenband publiziert wurde, erntete er Lob und Preise, und so fand sich auch ein deutscher Verlag, der, man muss es so sagen, das Wagnis des Aus-der-Reihe-Tanzens einging und Weils Texte nun als das herausbringt, was sie sind: Novellen.

          Natürlich kommen einem augenblicklich weitere Bücher in den Sinn, die strenggenommen in die gleiche Gattung gehören. Das wunderbare Buch „Meine Krönung“ der Französin Véronique Bizot gehört ebenso dazu wie Judith Schalanskys hochgelobtes Werk „Der Hals der Giraffe“. Aber auch in den vergangenen Jahren erschienen mit Thomas Hettches „Die Liebe der Väter“, Philip Roth’ „Empörung“ und Ian McEwans „Am Strand“ drei wichtige Werke, die eigentlich nicht mehr waren als hübsch getarnte Novellen, die um ein ungeheuerliches Geschehen kreisten und damit vollends und bestens ausgelastet waren. Uns Lesern aber hat man diese Bücher als Romane verkauft. Und man darf hinter diesem Etikettenschwindel die Sorge der Verleger vermuten, die das, was Heinrich Böll einst „eine sehr aristokratische Form der kurzen Prosa“ nannte, heute mit so altertümlich-verstaubten Vorstellungen in Verbindung bringen, dass sie dieses Genre dem Publikum nicht mehr zumuten wollen. Die Rechnung ist klar: Auf einem Buchmarkt, auf dem es Erzählungsbände schon schwer haben, ist es für Novellen aussichtslos. Anders lässt sich das fast vollständige Verschwinden dieser Gattung aus den Stapeln der Neuerscheinungen kaum erklären.

          Der Traktor wird sein Leben - wortwörtlich

          Das ist schade. Wie schade, das beweist Josh Weils Buch, das soeben in der deutschen Übersetzung von Stephan Kleiner erschienen ist. „Das neue Tal“ ist eine Auskopplung aus einem Novellenband, der 2009 in den Vereinigten Staaten publiziert wurde und drei Geschichten vereinte, in denen Männer mittleren bis hohen Alters in den bewaldeten Hügeln Virginias mit sich und ihren Lebensentwürfen ins Hadern geraten. Im „Neuen Tal“ heißt dieser Mann Stillman Wing, ist einundsiebzig Jahre alt und hegt eine leidenschaftliche Schwäche für Traktoren. Besonders angetan hat es ihm ein Exemplar der Firma Deutz, das er gleich auf den ersten Seiten der Geschichte aus der Scheune seines benachbarten Freundes klaut, der das uralte Gefährt seit Jahren verrotten lässt. Passend zu der Gegend, die beschrieben wird als eine, in der „die Leute wussten, wie man Abstand hielt“, gehört die Freundschaft zwischen den beiden Männern zu jenen, in der Schweigen als Ausdruck großer Zuneigung gilt. Der Nachbar tut so, als wüsste er nicht, wer seinen Traktor hat. So kann Stillman Wing die nächsten fünf Jahre damit verbringen, das Fahrzeug in seiner Scheune auseinander- und wieder zusammenzubauen.

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