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Intimfrisuren : V wie Vendetta

In einer Gesellschaft, die Individualität wichtig nimmt, muss man sich über uniforme Haarlosigkeit doch wundern. Hier ein paar Anregungen. Bild: Eden Books

Warum sollte man etwas rasieren, was man dekorieren kann? Caroline Selmes gibt Anregungen zum weiblichen Haarschnitt im Intimbereich.

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          Die Kunst der Intimfrisur stirbt aus. Schon 2009 erklärten fünfzig Prozent der Frauen unter fünfundzwanzig Jahren in der jüngsten Studie zum Thema, ihren Intimbereich zu enthaaren. Seitdem scheint die Zahl eher gestiegen zu sein, betrachtet man die vielen Waxing-Studios, die eröffnen. Wenn ein Kurzwarenladen oder eine Eisdiele dichtmachen, gibt es derzeit nur zwei natürliche Nachfolger: Burger oder Waxing. Sicher ist: Der Besuch eines Waxing-Studios macht keinen Spaß, und auch die Selbstjustiz im Intimbereich ist wenig vergnüglich. Trotzdem tun es etliche Menschen. Die Gründe lassen sich mit dem Wort „Zeitgeist“ zusammenfassen. Man trägt das jetzt eben so beziehungsweise trägt man gar nichts mehr.

          Dabei sind in den letzten paar Jahren weder die Bikinis kleiner geworden noch der Sex evident schlechter, beides häufig angeführte Argumente, aber in Zeiten der kosmetischen Selbstoptimierung gehören Haare eben nur an den Kopf, und auch da bitte nicht auf die Ohren und über die Nasenwurzel. An solchen Stellen Haare zu haben ist ähnlich suboptimal wie ganz oben gar keine, und es spricht für den Pragmatismus dieser Gesellschaft, dass Glatzköpfe sich ihre Schamhaare inzwischen aus ihrem natürlichen Lebensraum entfernen und auf dem Schädel einpflanzen lassen können. Verspieltere Anregungen für die Intimbehaarung bietet Caroline Selmes mit ihrem Buch „Pussycut“.

          Die Französin arbeitet als Art-Direktorin in London und hat „einzigartige Schnitte für wunderschöne Damenschritte“ entworfen, ihnen verblüffend einleuchtende Namen verpasst („Charlie Chaplin“, „V wie Vendetta“) und dazu passende Zitate gestellt. Den halbmondförmigen Bewuchs etwa begleitet ein Motivationsspruch des amerikanischen Unternehmers W. Clement Stone: „Ziele auf den Mond. Wenn du ihn verfehlst, triffst du vielleicht einen Stern.“ Den „Diamant“ kommentiert ein Satz von Truman Capote: „Es ist geschmacklos, Diamanten zu tragen, bevor man vierzig ist.“

          „Pussycut“ von Caroline Selmes

          Wozu das gut ist? Für gar nichts natürlich. Aber das Durchblättern dieses so stilvollen wie originellen Buchs ist viel amüsanter als eine Sitzung im Waxing-Studio und deutlich gesünder als ein Besuch im Burgerladen nebenan. Und in den ganz schweren Momenten des Lebens kann man zur Beruhigung das Umschlagmotiv streicheln – es fühlt sich an wie ein frisch geschorener Schafspelz.

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