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Bücher : Buchen Sie ein Dschungelkind

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Viel Kohle aus dünnem Holz: Sabine Kueglers „Dschungelkind” Bild: Droemer

Der gewieft naiv inszenierte Bestseller: Mit ihrem Buch „Dschungelkind“ trommelt sich die Geschäftsführerin Sabine Kuegler in die Verkaufs-Charts. Und verschweigt die Hintergründe ihrer Kindheit in der Wildnis Westpapuas.

          Sie - ja, Sie: "Sie suchen einen neuen, unverbrauchten und sympathischen wie authentischen Werbeträger? Buchen Sie das Dschungelkind Sabine Kuegler." Mensch, das ist aber zuvorkommend! Das Angebot steht wörtlich auf der Website von Sabine Kuegler. Liebe Dschungelkinder, sagen wir da nur, laßt euch nicht hängen, aus euch kann was werden.

          Sabine Kuegler ist die blonde junge Frau, die als Kind für einige Jahre mit ihren Eltern und Geschwistern im Regenwald war. Kommt sie deswegen in der westlichen Zivilisation nicht mehr vom Fleck? Sabine Kuegler ist Geschäftsführerin der Film- und Verlagsgesellschaft "Earth of Dreams". Ihr Buch "Dschungelkind" steht auf Platz eins der Bestsellerliste. Was hat sie zu erzählen? Das Leben unter den Bäumen war grün, und aus den Ureinwohnern ist mit Papa Kueglers Hilfe noch etwas geworden - ihr Papa war ein Held. Auch aus Sabine Kuegler ist noch etwas geworden. Was der Vater dort wirklich wollte, erfahren wir in dem Buch nicht.

          Eine Menge Kohle aus dünnem Holz

          Sabine Kuegler wurde 1972 in Nepal geboren, wo die Eltern die Sprache eines Volkes lernten, das Danuwar Rai genannt wurde. Warum die Eltern das machten, erfahren wir aus dem Buch nicht. Als Sabine drei Jahre alt war, gingen die Eltern wieder nach Deutschland zurück. Wir erfahren nicht, warum. Dort blieb die Familie bis zum 23. April 1978. Wir wissen nicht, wo.

          Kämpfen für die Unabhängigkeit: Ureinwohner Westpapuas

          Sabine Kuegler lebt heute in Buxtehude, das liegt in Schleswig-Holstein. Sie fuhr 1979 mit ihren Eltern nach Westpapua. Mit siebzehn Jahren, also im Jahr 1989, ging sie endgültig wieder nach Deutschland zurück. Sie besuchte ein Internat in der Schweiz, studierte offensichtlich Wirtschaftswissenschaften und arbeitete darauf im Hotelfach und in der Marktforschung, was auch immer man sich darunter vorstellen mag. Sie hat dazugelernt, und irgendwann wird sie sich gedacht haben, daß sich doch auch aus dem dünnen Holz ihrer frühen Dschungeljahre eine Menge Kohle machen lassen muß.

          Der Traum von der schönen Steinzeit

          Vor einem Jahr gründete sie die Film- und Verlagsgesellschaft "Earth of Dreams". Sabine Kuegler bietet dort an, persönliche Lebensgeschichten vollständig zu vermarkten. Das geschieht unter dem Motto: "Emotionale Erlebnisunterhaltung". Die erste Lebensgeschichte, die Sabine Kuegler vollständig vermarktet, ist ihre eigene. Jetzt träumen die Deutschen mit dem gewieften Dschungelkind von der schönen Steinzeit: eine kleine Hütte für ein Huhn und ein Ei und rundum Nachbarn, die man nur zu nehmen wissen muß. Einer träumt nicht mit: Ulrich Delius von der Gesellschaft für bedrohte Völker. Er sieht die Verlierer der ganzen Geschichte - die Ureinwohner Westpapuas. Im Mai dieses Jahres möchte Sabine Kuegler ihre Geschichte vom deutschen Kind im Urland verfilmen.

          Was aber wollte Vater Kuegler in Westpapua? Siebzig Jahre bevor Familie Kuegler aus Deutschland in Westpapua auftauchte, packte der Amerikaner William Cameron Townsend, geboren 1896 in Kalifornien, seine Koffer und fuhr nach Guatemala. Auch Townsend hatte einen Traum. In Guatemala angekommen, mußte er feststellen, daß es den Indianern dort unten sehr schwer fiel, die Bibel in Spanisch zu lesen. Townsend überlegte - und lernte die Sprache der Cakchiquel-Indianer.

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