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Buchmesse-Gastland Katalonien : Das große Fremdeln

Den meisten prominenten Autoren Kataloniens, zumal den spanischschreibenden, liegt solcher Ehrgeiz fern. Eduardo Mendoza antwortete knapp, über Frankfurt wolle er nicht reden. Enrique Vila-Matas darf auf der Buchmesse nicht erwartet werden, Quim Monzó dagegen schon. Juan Marsé wiederum, einer der bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen spanischen Literatur, befürchtet, die spanischschreibenden Autoren würden in Frankfurt „in einen Käfig gesteckt“, ganz abgesehen davon, dass die Buchmesse Schriftstellern kein schönes Ambiente biete. „Im Ramon-Llull-Institut hat die intoleranteste Fraktion von allen den Sieg davongetragen“, sagt der Schriftsteller, „und für die möchte ich nicht den Sparringspartner abgeben.“ Mit anderen Worten: Marsé kommt ebenso wenig wie Javier Cercas, der mit „Soldaten von Salamis“ einen der bestverkauften spanischsprachigen Titel der letzten Jahre geschrieben hat.

Natürlich ist sich Josep Bargalló, der Direktor des Ramon-Llull-Instituts, darüber im klaren, dass einige seiner wichtigsten Leute abgesprungen sind. Doch er wird wohl Optimismus verbreiten und sich bemühen, statt der Literaten die katalanische Kultur als Ganze ins Auge zu fassen. Als hätte er es geahnt, betonte der Direktor des katalanischen Kulturinstituts vor wenigen Wochen in einer Rede, man werde „stolz“ und „mit jungen Schriftstellern“ zur Buchmesse fahren. Wer wirklich ein Ticket bekommt, soll am 13. Juni bekanntgegeben werden; es dürfte die Nachwuchsmannschaft sein.

Vor den nationalistischen Karren gespannt

Auch Bargalló gehört den Linksnationalisten an, der politischen Formation, die sich im Ramon-Llull-Institut nach drei Direktorenwechseln in den letzten achtzehn Monaten durchgesetzt hat. Genau darin liegt das Problem, denn Schriftsteller wie Juan Marsé beklagen, das nationalistische, auf Ausgrenzung des Spanischen bedachte Programm habe sich radikalisiert. Dabei ist die Aufgabe anspruchsvoll. Sie besteht darin, das Katalanische so weit wie möglich zu propagieren, ohne anzuecken, ohne das Publikum zu überfordern oder gegen den Vertrag mit der Frankfurter Buchmesse zu verstoßen.

Dieser Vertrag fordert Katalonien auf, in seiner Selbstdarstellung den verschiedenen kulturellen Identitäten im katalanischen Sprachraum Genüge zu tun. Nur: Wie weit dürfen oder müssen die Veranstalter dabei gehen? Von Quoten und Prozenten ist nirgendwo die Rede. Es gab auch noch nie ein Schwerpunktthema, das kein eigenes Land, sondern nur eine Kulturregion vertreten hätte. Wie der Fall Pàmies zeigt, ist die Unlust, sich vor den nationalistischen Karren spannen zu lassen, mit Händen zu greifen.

Seit März kursiert ein Buch, das die Katalanen auf die wichtigste Repräsentationsveranstaltung ihrer Kultur seit Menschengedenken einstimmen soll: „Guia de la Fira de Frankfurt per a catalans no del tot informats“ (Führer der Frankfurter Buchmesse für nicht ganz informierte Katalanen, Verlag La Magrana, Barcelona). Der Journalist Sergio Vila-Sanjuán erzählt darin die Geschichte der katalanischen Bewerbung und ihrer politischen Verästelungen, zweifellos eine der interessantesten Veröffentlichungen im katalanischen Buchmessenjahr. Vielleicht sollte man sich einfach an Ramon Llull halten, den Philosophen, Dichter und Theologen aus dem Mallorca des dreizehnten Jahrhunderts, dem das katalanische Kulturinstitut seinen Namen verdankt. Llull beherrschte ein halbes Dutzend Sprachen, darunter Latein, Hebräisch, Arabisch, Französisch, Spanisch und Katalanisch. Richtete jemand das Wort an ihn, so wird überliefert, antwortete der Gelehrte stets in der Sprache seines Gegenübers.

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