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Buchmesse eröffnet : Handel fordert Erhalt der Preisbindung

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Auf der Eröffnungsfeier: Der brasilianische Vizepräsident Michel Temer, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und Bundesaußenminister Guido Westerwelle (von links nach rechts) Bild: dpa

Die 65. Frankfurter Buchmesse ist eröffnet. Der brasilianische Pavillon versteht sich als „Hommage an das Papier“. Aber die Diskussionen werden sich wieder um das elektronische Veröffentlichen drehen.

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          Mit Forderungen nach dem Erhalt der Buchpreisbindung ist am Dienstagabend die 65. Frankfurter Buchmesse eröffnet worden. Zur weltgrößten Bücherschau mit 7300 Ausstellern aus 100 Ländern werden bis zum Sonntag rund 280.000 Besucher erwartet. Branchenvertreter warnten zum Messe-Auftakt vor einer Gefährdung des Buchhandels durch das geplante Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten und verlangten, die Buchpreisbindung nicht aufzugeben.

          Die EU-Kommission dürfe sie bei den Verhandlungen keinesfalls opfern, sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder. Werde dieses Schutzinstrument abgeschafft, siege „die anonyme, ganz und gar manipulierbare Macht des Geldes über den Geist. Das Ende der stationären Buchhandlungen wäre eingeläutet.“

          Die Elite nutzt das Unwissen

          Globale Konzerne wie Google, Apple und Amazon drängten auf eine Abschaffung der Buchpreisbindung, sagte Buchmessen-Direktor Juergen Boos bei der Eröffnungs-Pressekonferenz. „Das sind Kundenbindungsmaschinen und Logistikzauberer, aber keine Verleger. Da ist keine Leidenschaft dabei.“ In Frankreich gebe es ein Gesetz, das traditionelle Buchläden vor Internet-Händlern schützt, und Steuererleichterungen für den Laden um die Ecke. Dies zeige die Wertschätzung der Buchkultur im Nachbarland. „Hier können wir von Frankreich lernen.“

          Ehrengast der diesjährigen Buchmesse ist Brasilien. „Brasilien ist ein kulturelles Schwergewicht“, sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bei der Eröffnungsfeier, an der auch der brasilianische Vizepräsident Michel Temer teilnahm. In seiner mit großem Beifall aufgenommenen literarischen Eröffnungsrede kritisierte der brasilianische Autor Luiz Ruffato scharf die schlechten Schulen in seinem Land. Das ineffiziente Bildungssystem diene „der Aufrechterhaltung der tiefen Kluft zwischen Arm und Reich“. Trotz Fortschritten könne einer von drei Brasilianern nicht einfache Texte lesen und verstehen. Die Elite nutze das Unwissen, um ihre Herrschaft zu sichern.

          Coelho kennt Kollegen nicht

          Der 2500 Quadratmeter große Pavillon des Gastlandes präsentiert sich in großen Raumlandschaften. Mitgestaltet hat ihn die namhafte brasilianische Designerin Daniela Thomas. Für die meterhohen Installationen der Wände, die Auszüge aus brasilianischen Büchern oder Comics wiedergeben, hat sie Tausende von feuerfesten Pappkartons benutzt - „eine Hommage an das Papier“, wie Thomas sagte.

          Kritik des brasilianischen Bestseller-Autors Paulo Coelho am Buchmessen-Auftritt wiesen die Organisatoren zurück. Die 70 brasilianischen Autoren seien vor allem nach literarischen Kriterien benannt worden, sagte der Koordinator des Gastlandauftritts, Mario Lessa, der Nachrichtenagentur dpa. Coelho („Der Alchimist“) hatte erklärt, er kenne viele der offiziell eingeladenen Autoren nicht.

          Zur Buchmesse werden nach Angaben der Organisatoren etwa 1500 Autoren kommen. Insgesamt gibt es rund 3000 Veranstaltungen. An den drei Fachbesuchertagen sind vor allem Themen an der Schnittstelle zwischen Digital und Analog wichtig. Unter anderem werden wieder neue E-Book-Lesegeräte zu vorgestellt werden, doch die Neugier der Besucher dürfte deutlich geringer sein als in den Vorjahren. „Der große Hype ist vorbei“, glaubt Ronald Schild, Digital-Experte des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Jeder vierte Bundesbürger liest inzwischen Bücher auch digital, hat eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Umfrage ergeben.

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