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Buchmarkt : Die E-Book-Lobby und ihre Forschung

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Manche würden lieber heute als morgen gedruckte Bücher aus den Regalen der Leser verschwinden lassen
          5 Min.

          Eine Woche ist sie her, die Frankfurter Buchmesse. Begonnen hatte sie fulminant, besonders für die in Deutschland eher kleine E-Book-Gemeinde. Seit Jahren prophezeite sie den Siegeszug des eBooks, nicht morgen, sondern jetzt, auf der Stelle. Ohne Erfolg. Doch endlich gab es eine gute Nachricht. Zu Beginn der Buchmesse machte wie bestellt die Neuigkeit die Runde, das Lesen auf Tablet-PCs biete gegenüber dem klassischen Printprodukt eklatante Vorteile. Digitale Texte seien für das Gehirn leichter aufzunehmen, hieß es.

          Erleichterung machte sich breit, unter Internetbuchhändlern, E-Book-Lobbyisten und denen, die es schon immer gewusst hatten. In Windeseile wurde berichtet, das Nachtmagazin widmete der Meldung einen Videobeitrag. Die Branche war begeistert. Kein Wunder, war sie doch mit der bisherigen Entwicklung des E-Books mehr als unzufrieden. Laut Börsenverein des deutschen Buchhandels lag der Umsatzanteil des eBooks 2010 bei lediglich 0,5 Prozent, Schul- und Fachbücher ausgeschlossen. Dabei hatte man sich solche Mühe gegeben. Mehr als 40 Prozent der neu erschienenen Bücher waren 2010 als E-Book erhältlich. Beste Voraussetzungen also für eine kleine Leserevolution.

          Eine zurückhaltende Forschergemeinde

          Doch die Leser gebärdeten sich bisher wenig revolutionär. Sie greifen weiterhin zum gedruckten Wort, ob aus Nostalgie, Angst oder Gewohnheit. Vielleicht die Ruhe vor dem Sturm? Die Verlage bringt der vermeintliche Umbruch in eine schizophrene Notlage. Die Befürchtung, den Aufsprung auf den digitalen Zug zu verpassen, kollidiert mit der Furcht vor der eigenen Schwindsucht, die eine zunehmende Digitalisierung des Buchmarktes zur Folge hätte. Die Sensationsmeldung um die Vorteile des eBooks machte die Orientierung jedenfalls nicht leichter. Zeit also, den Trubel der Buchmessentage im Rücken, einen kritischen Blick auf die Studie zu werfen, die den eBook-Optimismus geschürt und den Befürworten schlagkräftige Argumente verschafft hat.

          Den ökonomischen und existentiellen Abwägungen rund um die Lesedigitalisierung liegen prinzipiell doch sehr basale Fragen zugrunde. Birgt das elektronische Buch objektive Vorteile beim Lesen? Macht es uns das Lesen einfacher, vereinfacht es sogar den Erkenntnisgewinn? Ein gefundenes Fressen für findige Wissenschaftler, zumal Forschungsthemen mit Anwendungsbezug auf die breite Masse eher selten sind. Doch die Forschergemeinde hielt sich bisher bedeckt. Nur wenige Studien sind zu diesem Thema verfügbar, hauptsächlich privat finanziert von Beraterfirmen der Medien- und Werbebranche.

          Ein französisches Beratungsunternehmen, auf Benutzerfreundlichkeit spezialisiert, will bewiesen haben, dass man beim Lesen auf Papier konzentrierter ist als auf einem Tablet-PC. Man konnte zeigen, dass das Auge auf gedrucktem Papier länger auf einzelnen Punkten verweilt. Außerdem hätten sich die Probanden an den Inhalt der Papierseite besser erinnert, so die Autoren. Ein dänischer Webdesignberater hingegen berichtet, er habe in einer Studie mit 24 Teilnehmern keine signifikanten Unterschiede der Lesegeschwindigkeit auf einem eReader, Tablet-PC oder einer Papierseite feststellen können. Besonders aussagekräftig sind diese vagen, marktwirtschaftlich motivierten Untersuchungen nicht. Wissenschaftlich fundierte, seriöse Erkenntnisse unabhängiger Forschungsinstitute zur Lesequalität elektronischer Medien fehlten bisher.

          Pünktlich zur Messe: Neue Funde?

          Am 12.Oktober, zeitlich und räumlich mit dem Auftakt der Frankfurter Buchmesse bestens abgestimmt, ließ Professor Dr.Stephan Füssel, Leiter des Instituts für Buchwissenschaft und Sprecher des Forschungsschwerpunkts Medienkonvergenz der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, die Bombe platzen. Er stellte eine von der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH, einer Wirtschaftstocher des Börsenverein des deutschen Buchhandels, mitfinanzierte Studie vor, die im Kern zeigt, dass Tablet-PCs „nicht bewusst wahrnehmbare, aber messbare Vorteile bei der Verarbeitung neuer Informationen“ gegenüber Papierseiten haben. Außerdem, so der Forscher, könnten gerade Senioren auf einem Tablet-PC bei gleicher Informationsaufnahme deutlich schneller lesen. Der Tablet-PC sei also dem gedruckten Buch ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen.

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