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Buchhandel : An der Rabattgrenze

Mit 114 Filialen der größte Buchhändler Deutschlands: Thalia Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Buchbranche klagt über ein unbefriedigendes Weihnachtsgeschäft. Die größeren Sorgen allerdings macht ihr ein neuer Schritt des Marktriesen: Thalia will, so fürchtet die Verlagswelt, den stationären Buchhandel aushungern.

          Der Brief kam vor der Buchmesse. Fünf Punkte sollten beim Jahresgespräch „verbindlich verabschiedet“ werden, darunter neben den üblichen Verhandlungen über Konditionen und Remissionen unter Punkt fünf eine „Neueröffnungs-Prämie für neue Filialen, Umbauten und merkliche Renovationen“. Von „letztgenanntem Ansatz“ die Geschäftspartner zu überzeugen“ liege „uns ganz besonders am Herzen“. Gezeichnet: Koordinator Einkauf.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          So also schreibt Thalia an seine Kunden, die mittleren und großen Verlage; die kleinen werden zu Jahresgesprächen nicht eingeladen. Der Wirbel auf Verlegerseite war beträchtlich, aber so richtig aus dem Fenster hängen wollte sich keiner, schließlich ist der Branchenprimus kein Kunde, mit dem man es sich verderben will, und öffentlich sowieso nicht. Zum ersten Mal habe Thalia seine ruppigen Methoden so pointiert zu Papier gebracht, sagt eine Verlagsleiterin, die lieber nicht genannt werden möchte.

          Ökonomisierung wie in Amerika

          Übersetzt aus dem Kaufmännischen, bedeutet Punkt fünf nämlich nichts anderes, als daß Thalia anteilig nach Quadratmeter Filialfläche Bargeld sehen will, um sich die Renovierung beziehungsweise den Neubau seiner Buchhandlungen von Verlagen mitfinanzieren zu lassen. Je nach Größenordnung würden da zwischen tausend und zehntausend Euro fällig. Die Ökonomisierung erreiche damit eine Qualität in deutschen Landen, die an amerikanische Verhältnisse erinnere, klagten die Verleger und kündigten an, sich das nicht gefallen zu lassen.

          2,42 Milliarden Euro Umsatz machte die Douglas Holding AG im letzten Geschäftsjahr

          Sind es Probeschüsse, oder hat die Schlacht schon begonnen? Auch abzüglich der Klagen, die ein unbefriedigendes Weihnachtsgeschäft begleiten, kann man feststellen: Das Schreiben läutet eine neue Runde ein in dem Stück, das unter dem Titel „Strukturwandel im Buchhandel“ unter Ausschluß der lesenden Öffentlichkeit gegeben wird. Notiz wird nur genommen, wenn der örtliche Buchhändler mangels Nachfolger oder aus Angst vor dem drohenden Zuzug eines Großfilialisten schließt. Prominentes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: Börsenvereins-Vorsteher Dieter Schormann, der seine Gießener Traditionsbuchhandlung aufgab und sich seither als Angestellter beim Hagener Großbuchhändler verdingt.

          Oligopol im Buchhandel

          Das Szenario, das derzeit umgeht, beschreibt eine flurbereingte, von einem Oligopol beherrschte Buchhandelslandschaft, die bis in die Mittelstädte hinunter ihre immergleiche Monokultur installiert hat. Kommt nun das entschiedene Nein, das sich gegen dieses Gespenst auflehnt? Zweifel sind angebracht, ob sich diesmal der verlegerische Mittelstand solidarisieren wird. Auch wenn zunächst noch viele diese Absicht durchblicken lassen, wie etwa Hanser-Verleger Michael Krüger: „Es hat keinen Sinn, uns ständig weiter auszupressen. Wir brauchen die paar Pfennige, um die Bücher zu machen, die wir machen müssen - einen Heinse-Kommentar mit 1400 Seiten guckt doch Thalia gar nicht erst an.“

          Auch Karlheinz Jungbeck, Geschäftsführer des Lübbe Verlages, der nicht zuletzt dank des anhaltenden Dan-Brown-Erfolges floriert, spricht von einem „Sündenfall“: „Wir sind an der Rabattgrenze.“ Andere sind vorsichtiger. Der Umsatzriese im Bereich der Publikumsverlage, Random-House-Verleger Klaus Eck, übt sich in Zurückhaltung: Über Kunden werde er sich nicht öffentlich äußern.

          Auf den Spuren von Douglas

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