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Buchhandel : 10 Curzon Street

  • -Aktualisiert am

Manchmal muss es halt doch die Erstausgabe sein: Wer es exklusiver mag, den versorgt der Nischenanbieter in Mayfair – hier die Bibliothek von Schloss Wolfsgarten in Langen bei Frankfurt. Bild: Felix Seuffert

Die Buchhandlung Heywood Hills in London hat keine Angst vor digitaler Konkurrenz: Ihr Service ist ziemlich einzigartig.

          In John le Carrés Roman, „Dame, König, As, Spion“ wickelt der bibliophile Geheimagent George Smiley eine frühe Grimmelshausen-Ausgabe ein und macht sich „feierlich auf den Weg zu Heywood Hills Buchhandlung in der Curzon Street, wo er mit dem Inhaber dann und wann freundschaftliche Gelegenheitskäufe ausfeilschte“. Seit achtzig Jahren zieht die Adresse im Londoner Viertel Mayfair eine exklusive Klientel aus der gehobenen literarischen und gesellschaftlichen Welt an.

          Es schadet dem Prestige nicht, dass das nach seinem Gründer benannte Unternehmen inzwischen einem kultivierten Herzog gehört, dessen Tante – die Schriftstellerin Nancy Mitford – die Geschäfte führte, während Heywood Hill Kriegsdienst leistete. Runde Mahagoni-Tische, Bücherschränke und Ledersessel verleihen dem über zwei Stockwerke eines georgianischen Stadthauses verteilten Laden für neue und antiquarische Titel den diskreten Charme eines Herrenclubs. Heywood Hill verkörpert britische Tradition.

          Die Vorzüge der menschlichen Auslese

          Dazu gehört, dass der persönliche Umgang mit den Kunden von jeher den Stil des Hauses prägt. In einer Zeit, in der unabhängige Buchläden sich gegen die digitale Konkurrenz behaupten müssen, setzt Geschäftsführer Nichy Dunne mit seinen zwölf Mitarbeitern – darunter zwei in der englischen Literatur hochversierte Deutsche – auf individualisierte Dienstleistung. Die Vorzüge der menschlichen Auslese über die Tyrannei der Algorithmen anpreisend, schildert Dunne, wie er die Bedürfnisse seiner Privat- und Firmenkunden aus sechzig Ländern befriedigt.

          Die einen wollen die Gäste eines Jagdhauses mit relevantem Lesestoff versorgen, die anderen wünschen sich eine ganze Bibliothek mit Literatur zur Polarforschung. Hotels, Kreuzfahrtschiffe und Privatflugzeuge stattet die Buchhandlung ebenso mit Büchern aus wie Einzelkunden, die ein Jahresabonnement beziehen, das ihnen monatlich ein in braunes Papier mit blauer Firmenschleife verpacktes Buch nach ihrem Geschmack beschert. Käme George Smiley heute vorbei, würde Heywood Hill wohl mit esoterischen Bänden zur deutschen Literatur des siebzehnten Jahrhunderts aufwarten.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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