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Walther König zum 80. : Ein Königreich für das Buch

1981 hat König in Köln die erste Museumsbuchhandlung eröffnet, heute betreibt er mehr europaweit als vierzig Filialen. Bild: Imago

Kein Kunstbuch, das er nicht kennt, kein unbekanntes, das ihn nicht sofort nervös macht: Dem Buchhändler und Verleger Walther König zum achtzigsten Geburtstag.

          „Kann ich helfen?“ Die Frage ist auch ein Willkommensgruß. Der Besucher hat den Aufstieg über die enge Bogentreppe in die erste Etage geschafft und steht in einer Landschaft aus Büchern. Helfen, sich hier zurechtzufinden, kann niemand so gut wie der hagere Herr mit dem Architektenkopf: Schließlich ist es sein Reich, das er in fünfzig Jahren aufgebaut hat. Der Name des Künstlers genügt, und Walther König weiß, was über ihn zu haben ist – und meist auch eine Anekdote dazu. Hier bedient der Chef! Auch an seinem achtzigsten Geburtstag, den er heute feiert, da gehen wir jede Wette ein. Denn, so bekennt der Münsteraner Kaufmannssohn: „Ich liebe nicht nur Bücher, sondern liebe es auch, Bücher preiswert einzukaufen und teuer zu verkaufen.“

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Dass Buchhändler Bücher lieben und gerne verkaufen, ist normal. Was Walther König zur Ausnahmeerscheinung macht, ist etwas anderes. Sein „Laden“ in Köln ist ein Schatzhaus, in dem Kunstbücher viertausend laufende Regalmeter füllen. Der Kunde kann oben an einem Tisch Platz nehmen, wo vielleicht schon ein Künstler sitzt, der Entwürfe für ein Buch ausbreitet. Denn König geht da seiner zweiten Lieblingsbeschäftigung nach, die, seit sein Sohn Franz 2014 das Geschäft übernommen hat, seine erste ist. Er führt, wie er gerne tiefstapelt, einen „kleinen Verlag“, der an die zweihundert Titel im Jahr herausbringt: Bücher über Kunst in jeder Preislage und Größenordnung, vom „Atlas“ Gerhard Richters über Ausstellungskataloge bis zu den Schriften von Harun Farocki und wissenschaftlichen Texten.

          „Jutta, bitte gleich bestellen!

          Wie eine Kanzel hängt der Erker über der Straße, doch König denkt nicht daran, aus dem Fenster zu schauen, schon gar nicht, seit der Platz gegenüber nach Willy Millowitsch – statt, wie er vorschlug, nach Sigmar Polke – benannt ist. Er tüftelt lieber, mit Autoren telefonierend und heimlich Roth-Händle rauchend, an Buchprojekten. Sein Programm ergibt sich aus seiner Verbundenheit mit den Autoren: Der Verleger kennt viele von ihnen seit ihren Anfängen und lässt ihnen freie Hand. König ist im richtigen Moment nach Köln gekommen. Während des Studiums jobbte er in einer Buchhandlung, hängte die Jurisprudenz an den Nagel, suchte eine Lehrstelle und fing 1962 in der „Bücherstube am Dom“ an. Als er sich 1969 selbständig machte, hatte Peter Ludwig gerade seine Pop-Art-Sammlung gezeigt. Der Verlag war da bereits gegründet, den einen oder anderen Rat gab Ernst Brücher, der den damals benachbarten DuMont Buchverlag leitete. 1981 hat König in Köln die erste Museumsbuchhandlung eröffnet, heute betreibt er dreizehn allein in Berlin und mehr als vierzig Filialen zwischen London und Wien, Amsterdam und Mailand.

          Der rote Klinkerbau in Köln, der 1981 bezogen wurde, ist das Stammhaus. Um in die dritte Etage zu gelangen, wo sich das Antiquariat befindet, braucht es die Hilfe des Chefs; vor der Treppe hängt eine Kordel. Die Suche nach dem Katalog der Max-Ernst-Ausstellung 1951 auf Schloss Augustusburg ist nach zwei Minuten erfolgreich, vorne eingelegt ist die Kritik aus der F.A.Z. Wer ein Kunstbuch bei König nicht findet, kann aufgeben. Und wer eines mitbringt, das der Buchhändler noch nicht kennt, macht ihn nervös. „Herr König, haben Sie diesen Band über Menschen der Maremma zwischen 1905 und 1944 gesehen, Fotos von Adolfo Denci, einem toskanischen August Sander?“, war eine Frage, die das geschafft hat. „Zeigen Sie mal her“, brummt er und blickt zu seiner Frau, die sofort – „Das ist Pitigliano, da waren wir mit dem Motorrad, Walther!“ – im Bilde ist. Er hat den Schreck auch bereits verdaut: „Jutta, bitte gleich bestellen, fünf Exemplare!“

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