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Buch-Communities : Wer hat das längste Regal?

  • -Aktualisiert am

In fremden Buchregalen stöbern Bild: AP

In den Vereinigten Staaten sind Leser-Communities der Renner, hierzulande agieren sie noch weitgehend im Verborgenen. Doch die Pläne von Plattformen wie Lovelybooks oder Alexandria sind ehrgeizig. Julia Roebke hat sich die neuen Lesegemeinschaften näher angeschaut.

          Für Besucher gilt: Ein Blick ins Bücherregal spricht Bände. Natürlich muss man heutzutage dafür nicht mehr aus dem Haus. Man trifft sich auf deutschsprachigen Internetseiten wie Lovelybooks, Booktick oder Buechertreff. Dort zeigen Bibliophile ihre private Büchersammlung, geben Empfehlungen ab und diskutieren Werke ihrer Lieblingsautoren. In den Vereinigten Staaten sind solche Leser-Communities der Renner, hierzulande agieren sie noch weitgehend im Verborgenen, der Durchbruch blieb bisher aus.

          Anders als bei Online-Buchhändlern wie Amazon liegt das Augenmerk dieser Internetseiten auf den sogenannten Community-Funktionen, also der Möglichkeit, sich auszutauschen beziehungsweise eine eigene Identität im Netz aufzubauen. Die Idee dazu hatte ein amerikanischer Programmierer mit einer Vorliebe für griechische und römische Geschichte: Tim Spalding. Er entwickelte eine Netzanwendung, mit der sich die eigene Bibliothek im Internet verwalten lässt. Im August 2005 ging Spalding mit der Seite Librarything.com ins Netz, mittlerweile verwalten dort rund 416.000 Mitglieder an die siebenundzwanzig Millionen Bücher.

          Lesen und Vampir-Rollenspiele

          „Der Spaß geht erst richtig los, wenn man sein Bücherregal mit dem völlig fremder Menschen vergleicht und Gemeinsamkeiten entdeckt“, sagt Spalding. Einst eigenständig gegründet, hat sich bei Librarything inzwischen der Internet-Gebrauchtbuchhändler Abebooks mit einem Anteil von vierzig Prozent eingekauft. Abebooks wiederum gehört zum deutschen Medienkonzern Burda. Aber auch andere deutsche Medienunternehmen sind inzwischen auf diesem Feld aktiv. Lovelybooks heißt das derzeit größte soziale Büchernetzwerk in deutscher Sprache. Das Portal, ein Ableger des Holtzbrinck Verlags, startete im Dezember 2006, inzwischen hat Lovelybooks an die zehntausend Mitglieder, die 1,4 Millionen Bücher verwalten.

          Das Anmelden ist einfach: die Mail- Adresse hinterlegen, einen passenden Namen ausdenken, und die elektronische Bücherwelt öffnet sich. Kaum registriert, meldet sich auch gleich eine „Freundin“ mit dem Spitznamen Bergey. Die junge brünette Frau lächelt dem neuen Nutzer auf dem Foto aufmunternd zu, gesteht ein Faible für Krimis und legt auch in Sachen dokumentierter Lesefreude so einiges vor: Einhundertsechsundsechzig Bücher und achtundzwanzig verfasste Rezensionen zeigt Bergeys Profil - das spornt an.

          Unkompliziert lässt sich auch die eigene Online-Bibliothek füllen. Den Titel, ein Stichwort oder die ISBN-Nummer eingeben, und der Computer spuckt aus, was sich mit einem Klick ins virtuelle Regal befördern lässt. Ausgestattet mit zwei Titeln in der eigenen Bibliothek, ist es ein Leichtes, sich umzuschauen: Wer ist gerade online, welche Titel hat zum Beispiel der motorradbegeisterte Loki aus Leipzig im Regal stehen, welche Bücher hat die Studentin Claudia alias Sari aus Berlin rezensiert, die als Hobby neben dem Lesen auch Vampir-Rollenspiele im Steckbrief angegeben hat?

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