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Briefverkehr der Familie Mann : Danke für dein forsches Brieflein

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Das Foto zeigt (von links) Monika, Golo, Katia, Michael, Elisabeth und Thomas Mann mit Katias Cousine Ilse Dernburg 1930 in Nidden auf der Kurischen Nehrung. Rätselhaft ist, wer das sitzende Mädchen ist – und wo Erika und Klaus steckten. Bild: KEYSTONE

Mielein, Lämmlein, Kütschlein, Lämplein: Thomas Manns Verwandte scheinen von Sinnen gewesen zu sein, wenn sie einander schrieben. Wir aber verdanken heute ihrer Korrespondenz einen Sinnesrausch.

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          Brief- und Tagebucheditionen sind ein spezielles Genre. Ob es abgebrühte Leser gibt, die keine Scheu beim Hineinblättern verspüren? Denn seien die Verfasser auch noch so berühmt und lange tot: Die privatesten Bekenntnisse anderer Menschen zu lesen erzeugt eine leicht fragwürdige Mischung aus Neugier und Peinlichkeit.

          Und dann noch die Familie Mann! Hätte es sie nicht gegeben, man hätte sie nicht erfinden können. Nicht eine solch geballte Ansammlung an Talent und Triumph, Mut, Ehrgeiz und Engagement, Exzentrizität und Unglück, Narzissmus und Selbstzerfleischung. Nicht dieses Maß an Konkurrenz und Bestehenwollen, vor allem dem künstlerisch wie menschlich unerreichbaren Vater Thomas Mann gegenüber, aber ebenso untereinander. Und auch nicht diesen über alle weltgeschichtlichen Stürme hinwegtragenden Familiensinn, eine enorme Anhänglichkeit und sich in tausenderlei Diminutiven und Kosenamen ausdrückende Zärtlichkeit, mit denen die acht Familienmitglieder, sechs Kinder und die Eltern, aneinander schrieben und über die Kontinente in Verbindung blieben – Thomas und Katia Mann und ihre Kinder waren eine kosmopolitische, vielsprachige, multibegabte Künstlerfamilie, voller strahlendem Licht und tiefstem Schatten.

          Ein Familienporträt

          Wichtige Teile der Familienkorrespondenz sind bedauerlicherweise verschwunden, darunter, bereits in den Wirren des Zweiten Weltkriegs, ein Großteil der Briefe, die Thomas und Katia in ihren frühen Jahren gewechselt haben – sie fehlen heute besonders der „Zauberberg“-Forschung schmerzlich. Denn Katia Mann hat, wie aus dem wenigen Erhaltenen hervorgeht, ihrem Mann, dem „Lämmlein“ oder „Reh“, regelmäßig witzig-pointierte Beschreibungen von ihren Kuraufenthalten in Sanatorien geschickt. In späteren Jahren trennte sich das power couple kaum je, also existieren wenige Briefe.

          Rätselhafter noch ist der Verbleib fast der gesamten Korrespondenz von Golo und Monika Mann, die nach Golos Tod und dem Verkauf des Kilchberger Hauses durch die Witwe von Golos Adoptivsohn – Ingrid Beck-Mann hatte erst Monika, dann auch Golo bis zum Ende gepflegt – einfach nicht mehr auftauchen wollten. Andererseits ist im Rahmen dieses großartigen Projekts, die Mann-Familie anhand ihrer Briefe zu porträtieren, etliches in den Archiven aufgetaucht, was bisher unbekannt oder verschollen war. Siebzig Prozent der 199 hier ausgewählten Briefe lagen bisher nicht gedruckt vor.

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