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Das neue Buch von B. E. Ellis : American Weichei

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Denn in seinem Kern steht eine These, die trotz aller Polemik und manchmal auch auf unterhaltsame Weise gerade deswegen bedenkenswert ist. Ellis glaubt, dass wir heute in einer Gesinnungsdiktatur lebten, in der Kunst nur noch danach beurteilt werde, ob sie genügend inklusiv, genügend opferzentriert, genügend politisch korrekt sei. Er sieht, insbesondere auf dem Boden der Universität, die unvoreingenommene Beschäftigung mit Literatur bedroht durch eine Kultur der „safe spaces“ und „trigger warnings“.

Für eine Ästhetik des Aushaltens

„Wenn Sie eine weiße Amerikanerin sind, die Shakespeare oder Melville oder Toni Morrison nicht lesen kann, weil es irgendwas Schädliches in Ihnen ,triggern‘ könnte und weil solche Texte Ihre Hoffnungen untergraben, sich durch Ihre Opferrolle definieren zu können, dann sollten Sie einen Arzt aufsuchen.“ Die grassierende „Selbstviktimisierung“ ist für Ellis das große Thema unserer Zeit, er macht diese generationell fest. Während er sich immer wieder als geradezu prototypischen Vertreter der „Generation X“ beschreibt – also ausgezeichnet durch Ennui, Zynismus, Kälte, so wie viele seiner Figuren –, sieht er die nachfolgende Kohorte der Millennials als verhätschelte „Generation Weichei“.

Diese Gruppen korreliert er mit den Begriffen des „Empire“ und des „Post-Empire“: Seine eigene Generation sei gerade noch im Empire mit den elterlichen Versprechen des wirtschaftlichen Aufschwungs der Nachkriegszeit aufgewachsen, habe diese aber bald als leer entlarvt und dagegen „mit Ironie und negativer Grundhaltung“ rebelliert. „Im Gegensatz zur Realität der Millennials war unsere nicht von ökonomischer Unsicherheit und Knappheit bestimmt; wir genossen den Luxus, zugleich deprimiert und cool und kreditwürdig zu sein. Ängstliche Anspannung und Bedürftigkeit seien die Merkmale der Generation Weichei“ – und diese müsse daher, um wirtschaftlich zu überleben, um jeden Preis gefallen. In ihrer Welt sei keinerlei Platz mehr für Negativität, sagt Ellis, deswegen produzierten sie nur noch „Likes“ und somit keine Kunst mehr. Millennials seien keine Künstler, sondern nur noch Kuratoren. Und als Leser seien sie nur noch auf „identifikatorische Lektüre“ aus. Alles also nur eine Frage des Materialismus, bei dem das Sein das Bewusstsein bestimmt? Ellis lebt selbst mit einem solchen „Millennial“, einem mehr als zwanzig Jahre jüngeren Mann zusammen und berichtet von interessanten Diskussionen; seine Brachialthese scheint als All-Erklärung indes ebenso fragwürdig wie sein anscheinend unbedingter Glaube an Generationszwänge, denen sich kein Einzelner entziehen kann. Eine ironische Brechung, einen performativen Widerspruch mag man darin sehen, dass Ellis manchmal selbst etwas mimosenhaft argumentiert – als wäre er das Weichei.

Wie auch immer man dazu im Einzelnen steht – der Gewinn von „Weiß“ liegt, jenseits der Provokation, in vielen ästhetischen Analysen und Bewertungen, die insbesondere das Kino betreffen und von Hal Ashbys „Shampoo“ bis zu Barry Jenkins’ „Moonlight“ reichen. Wie nicht anders zu erwarten, setzt der Autor von „American Psycho“ sich auch dabei für eine Ästhetik des Aushaltens und Sichaussetzens gegenüber dem Schrecklichen, dem Unvertrauten, dem Nichtstereotypen ein. Sein Buch, dessen Titel nicht nur an seine eigene Hautfarbe, sondern auch an sein großes Vorbild Joan Didion und deren „White Album“ erinnert, mithin an eine berühmt-berüchtigte Mischung aus Memoir und Kritik, liefert nicht weniger als eine amerikanische Kulturgeschichte seit den siebziger Jahren. Ihrer Lektüre sollte man sich aussetzen – ja, muss es fast, wenn man an einigen der wichtigsten kulturellen Debatten unserer Gegenwart interessiert ist.

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