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Booker-Preis für Marlon James : Bob Marley war das erste Opfer

Marlon James nach der Preisvergabe am Dienstagabend in der Londoner Guildhall Bild: AFP

Die Mutter ist Ermittlerin, der Vater Anwalt, der Sohn schreibt einen Roman über einen Attentatsversuch auf Bob Marley. Jetzt hat das Werk von Marlon James den wichtigsten Literaturpreis des britischen Literaturbetriebs erhalten.

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          Der jamaikanische Schriftsteller Marlon James hat für seinen dritten Roman, „A Brief History of Seven Killings“, den Booker-Preis erhalten, die renommierteste Auszeichnung des britischen Literaturbetriebs, um die sich seit zwei Jahren alle Englisch schreibenden Autoren bewerben können. Der Titel ist bei dem unabhängigen Verlag Oneworld Publications erschienen.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Die Jury, der neben dem Dichter John Burnside auch die mit dem britischen Schatzkanzler verheiratete Biographin Frances Osborne angehört, entschied sich einstimmig für den fast siebenhundert Seiten umfassenden Roman und pries die Bandbreite der Kakophonie von Stimmen und der Register, die James eingesetzt hat, um, ausgehend von dem versuchten Attentat auf den jamaikanischen Reggae-Sänger Bob Marley im Dezember 1976, die bewegte politische und kriminelle Szene jener Jahre auf der karibischen Insel zu schildern.

          Wie weiland Charles Dickens

          Als Sohn einer Kriminalkommissarin und eines Anwaltes hat der 45 Jahre alte Marlon James, der inzwischen kreatives Schreiben in Minneapolis lehrt, als Kind etwas von den Turbulenzen der Zeit mitbekommen. Der Autor, der den mit 50.000 Pfund dotierten Preis von der Herzogin von Cornwall entgegengenommen hat, erklärte sich in seiner Dankesrede als Anhänger von Charles Dickens, mit dem ihn die Vorliebe für Handlung, Überraschungseffekte und Cliffhanger verbinde.

          Die Buchmacher hatten den Roman „A Little Life“ der Amerikanerin Hanya Yanagihara als Favoriten gehandelt. In der engeren Wahl standen außerdem die amerikanische Pulitzer-Preisträgerin Anne Tyler mit „A Spool of Blue Thread“, der Geschichte einer Familie, der Brite Sunjeev Sahota, dessen Roman „The Year of the Runaways“ das Schicksal von drei indischen Einwanderern im nordenglischen Sheffield erzählt, der Erstlingsroman, „The Fishermen“ des Nigerianers Chigozie Obiama sowie der Brite Tom McCarthy mit dem experimentellen Roman, „Satin Island“.

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