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Roman von Mieko Kawakami : Bleichmittel auf die Brustspitzen

  • -Aktualisiert am

Das Imago der japanischen Frau, hier dezent als ferne Erscheinung im Kimono auf einem Torii-Weg am Shinto-Schrein Fushimi Inari-Taisha in Kyoto Bild: Fara Phoebe Zetzsche

Wie sehen japanische Frauen ihr Liebesleben? Mieko Kawakamis „Brüste und Eier“ steht symptomatisch für eine ganze Reihe von Romanen, die darüber ungeschminkt Auskunft geben.

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          Alles ist schon äußerlich auf Erfolg gebürstet: Derber als mit „Brüste und Eier“ kann ein als Roman ausgewiesenes Werk kaum betitelt werden. Im Kontrast dazu bedient das Cover in Hellblau, gerahmt von Kirschblüten und Schmetterlingen, ergänzt durch die Geste einer keusch ihre Brust bedeckenden jungen ostasiatischen Frau, konventionelle Erwartungen an eine japanische Autorin. Das Ganze wird verkaufsfördernd ergänzt durch ein Lob des männlichen Kollegen Haruki Murakami. „Brüste und Eier“ basiert auf einer gleichnamigen, 2008 preisgekrönten Erzählung von Mieko Kawakami, die sich damit in die Riege der prominenten und neuerdings auch international sichtbaren japanischen Schriftstellerinnen hochgeschrieben hat.

          Worum geht es? Natsuko, die dreißigjährige Ich-Erzählerin mit schriftstellerischen Ambitionen, bewohnt ein winziges Apartment in Tokio und erhält Besuch von ihrer älteren Schwester Makiko sowie deren zwölfjähriger Tochter. Makiko schlägt sich in einer heruntergekommenen Gegend von Osaka als Bardame durch und hat sich eine Brustvergrößerung in den Kopf gesetzt – in der Hoffnung, damit die nachwachsende Konkurrenz auf Distanz zu halten. Nach intensivem Studium der Prospekte von Schönheitskliniken in der Hauptstadt steht nun eine direkte Beratung an, auch wenn unklar bleibt, wie sie die für ihre Verhältnisse astronomischen Kosten stemmen will.

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