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Bastei Lübbe bietet : Eichborns Bauch

  • -Aktualisiert am

Die Strategie bleibt unklar: Verlagschef Stefan Lübbe neulich auf der Buchmesse Bild: Felix Seuffert

Bastei Lübbe hat dem Frankfurter Eichborn-Verlag ein Kaufangebot unterbreitet. Beide Seiten sind euphorisch, obwohl aus der Fliege eine klitzekleine Mücke zu werden scheint.

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          Die skurrilste Einladungskarte zur Frankfurter Buchmesse stammte von Bastei Lübbe. Wer sie aufklappte, dem erschien Verlagschef Stefan Lübbe, der auf dem eingeklebten Bildschirm per Videobotschaft zum Dinner lud. Auch der insolvente Frankfurter Eichborn-Verlag hat jetzt von dem Kölner Spaßmacher eine Einladung erhalten, die es in sich hat.

          Wie der Insolvenzverwalter Holger Lessing an diesem Mittwoch bekanntgab, hat Bastei Lübbe für den Verlag mit der Fliege ein Kaufangebot unterbreitet. Es sei noch nicht unterschriftsreif, so Lessing, doch akzeptabel. „Wir sind auf dem Weg der Rettung - Eichborn ist nicht verloren“, jubelt der Verwalter, der auf der Buchmesse von Stand zu Stand eilte, um das Haus vor der Pleite noch an den Mann zu bringen. Auch Stefan Lübbe freut sich über den möglichen Zuwachs aus Frankfurt, findet er doch, dass Lübbe und Eichborn gut zusammenpassten - „weil wir ähnliche Verlagsphilosophien haben“.

          Übrig bleibt der Gemischtwarenladen

          Darüber ließe sich streiten. Denn die Frage, was bei dieser sogenannten Rettung von Eichborn übrig bleibt, drängt sich auf. Bereits jetzt ist von der stolzen Mannschaft nur noch ein Häuflein von zwanzig Mitarbeitern übrig. Nicht einmal die sollen alle übernommen werden. Sicher ist außerdem, dass Eichborn im Falle des Verkaufs nach Köln umziehen wird, wo der Kaufinteressent Heftromane wie den Milliardenseller „Jerry Cotton“ und mehr verlegt.

          Passt das zusammen? Jedenfalls wird es passend gemacht: „Die andere Bibliothek“, Eichborns bibliophile Kostbarkeit, zieht gar nicht erst mit, sondern ist weiter im Angebot. Vom Profil des Frankfurter Verlags aber, der mit seinem Spagat aus Kunst und Kommerz seit seiner Gründung 1980 zu den schillerndsten deutschen Häusern gehörte, bleibt nur noch der Gemischtwarenladen, dessen Rettung Lessing nun bejubelt.

          Entscheidungen trifft das Bauchgefühl

          Das Familienunternehmen Bastei Lübbe wird jedenfalls, anders als im Fall der einst avisierten Verbindung mit dem Aufbau Verlag, kein Partner auf Augenhöhe sein. Eichborn tritt in ein Verlagskonglomerat ein, zu dem inzwischen die Jugendbuchverlage Baumhaus und Boje ebenso gehören wie der Quadriga-Verlag. Die Strategie hinter diesem bunten Strauß bleibt unklar. Vielleicht ist sie auch gar keine Sache der Ratio.

          Bei wichtigen Entscheidungen, erzählte Stefan Lübbe einmal, verlasse er sich auf sein Bauchgefühl. Mit Eichborns Herbstprogramm verleibt er sich nun Welterklärungsbücher ein wie Katja Kullmanns Essay „Echtleben“, der Aufklärung in der Frage verspricht, „warum es heute so kompliziert ist, eine Haltung zu haben“.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

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