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Zum Tode Erich Loests : Feind der Macht, Freund den Menschen

  • -Aktualisiert am

Erich Loest 1981 vor dem Heger-Tor in Osnabrück Bild: dpa

Der Schriftsteller Erich Loest ist tot. Er gehörte zu einer Generation, der kaum ein Irrsinn erspart blieb. Er blieb widerstandskräftig und schuf ein Werk, in dem die Deutschen sich erkennen können.

          Erich Loest, geboren am 24. Februar 1926, hat lange gelebt. Wenn man sich vergegenwärtigt, was alles ihm in dieser Frist widerfahren ist, dann darf man wohl von einem Lebenswunder sprechen. Er hat ein Beispiel dafür gegeben, wie man aus Fehlern lernt, Einsichten in Haltung umsetzt.

          Und er hat, was er erfuhr, nicht in seiner Privatsphäre verborgen, sondern mehr als ein halbes Jahrhundert lang in die Literatur eingebracht. Man kann von ihm lernen, umso leichter, als Loest niemals den Moralprediger hervorkehrte. Er verfügte, bei allem Ernst, über viel Humor. So ergreifend manche seiner Romangeschichten sind, es gibt überall auch Passagen, die uns schmunzeln machen und unsere Herzen und Sinne öffnen für das, was dieser Autor uns zu sagen hatte.

          Heimkehr in die DDR

          Sein erstes Buch, „Jungen, die übrig blieben“, erschien 1950. Der Titel verrät es: Hier ging es um den Versuch der braunen Machthaber, durch den Kriegseinsatz unausgereifter Knaben dem Führer die Kriegsniederlage zu ersparen. Loest war 18, als man ihn in den Kampf schickte. Damals war er bereit, ein Held zu werden, schließlich hatte man ihn, wie alle Kinder, Jahre hindurch mit Parolen vollgestopft. Dann aber lernte er, sein Romanheld demonstriert es, den grässlichen Unterschied zwischen Parolen und Realität zu begreifen.

          Loest überlebte das Morden und eine Phase sowjetischer Gefangenschaft. Er durfte heimkehren – in die sowjetische Besatzungszone, aus der bald darauf die DDR wurde. Wohin auch sonst? Schließlich war er, aus Mittweida stammend, ein gebürtiger Sachse, dort zu Hause. Das sollte sich als Problem erweisen, der frühe Roman bezeugt es. Im Nachwort zu einer Neuausgabe von 1991 bekannte der Autor, er habe der Hauptfigur, seinem Alter Ego also, Teile der eigenen Biographie vorenthalten: „Das Wort ,Werwolf‘ klingt immer noch schrecklich in aller Alliierten Ohren, Bekennermut hätte mich leicht hinter Stacheldraht bringen können.“

          Haft mit gesundheitlichen Folgen

          Für einige Jahre hatten die Ostherrscher in Erich Loest einen willigen Bürger, der daran mitwirken wollte, das zerstörte Land in eine erlöste Heimat zu verwandeln. Dieser Zustand dauerte nicht lange. Loest registrierte, was sich um ihn herum tat und worein das mündete: in der DDR in den Volksaufstand vom 17. Juni 1953; in Polen drei Jahre später in den Posener Juni-Aufstand; in Ungarn schließlich in den verheerenden Aufstand vom Oktober/November 1956, den das sowjetische Militär niederschlug. Loest und seinesgleichen wünschten sich einen anderen Sozialismus. Und darüber sprachen sie auch miteinander.

          Das wurde ihnen zum Verderben. Loest wurde 1957 zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus in Bautzen verurteilt. Später erließ man ihm sechs Monate davon auf Bewährung, so dass er 1964 freikam. Aber was sollte aus ihm werden? Er hatte 1955/56 eine Ausbildung im Leipziger Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ absolviert. Doch welcher DDR-Verlag würde sich an dem Ex-Bautzener die Finger schmutzig machen? Er musste für Frau und Kinder sorgen, konnte aber keine körperliche Arbeit verrichten, weil er unter den Bautzener Haftbedingungen schwer magenkrank geworden war.

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