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Comic-Autorin Claire Brétecher : Sie war Kult

Claire Brétecher. Bild: AFP

In Frankreich kannte sie jeder. Ihre Feder war so gefürchtet wie ihre spitze Zunge. Zum Tode der Comic-Autorin Claire Brétecher.

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          Vorwahlen in den Vereinigten Staaten, Regierungskrise in Deutschland, Macron im Clinch mit seiner Fraktion und auf dem Mont Blanc zur Rettung der Alpen: Die Zeitung „Libération“ aber widmet das Cover und die ersten vier Seiten vollumfänglich dem Tod der Comic-Autorin Claire Brétecher.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Sie war Kult, ihre Serie „Die Frustrierten“ im Wochenmagazin „Le Nouvel Observateur“ bleibt das beste Porträt einer Epoche und Zeit, in der die Linken und die „Bobos“, deren Macken und Moden sie so herrlich zu karikieren verstand, noch zur Selbstironie fähig waren.

          Die Alben, in denen die einzelnen Folgen nachgedruckt wurden, erreichten astronomische Auflagen. Roland Barthes, der die „Mythen des Alltags“ beschrieb, hat die zeichnende Kollegin zur „größten Soziologin Frankreichs“ ausgerufen.

          Die 1940 geborene Claire Brétecher entstammte einer katholischen und ziemlich konservativen Familie. Zu den ersten, der ihr Talent erkannten, gehörte René Goscinny, der Schöpfer von „Asterix“. Mit ihm arbeitete sie in den sechziger Jahren zusammen. Sie zeichnete für die Comic-Magazine „Tintin“ und „Pilote“, „Prinzessin Cellulite“ war ihre erste Kultfigur. Mit „Les Frustrés“ im „Nouvel Observateur“, dem damals führenden Nachrichtenmagazin, erreichte sie ein Millionenpublikum. „Agippine“ bewies, dass auch der Feminismus satirisch sein kann.

          In Frankreich hat die begnadete Zeichnerin, die genauso spitz formulieren konnte, alle nur möglichen Auszeichnungen bekommen. In Deutschland wurde sie 2016 anlässlich des Comic-Salons in Erlangen vom Max-und-Moritz-Preis als erste Frau mit dem „Sonderpreis für ein hervorragendes Lebenswerk“ ausgezeichnet. Es ist vollendet.

          Mit der politischen Korrektheit und dem neuen Fanatismus konnte Claire Brétecher nicht mehr viel anfangen. In Paris ist sie im Alter von 79 Jahren gestorben, die Nostalgie hat begonnen. „Libération“ verkündete ihren Tod mit dem ganzseitigen Porträt der Zeichnerin, deren Gesicht in Frankreich jeder kennt, und der Schlagzeile: „Claire est libre“.

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