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Zum Tod von Richard Matheson : König Albtraum

Richard Matheson (20. Februar 1926 bis 23. Juni 2013) Bild: Opale / StudioX

Spielberg verdankt ihm viel; King nennt ihn seine wichtigste Lektüre; eine komplette Meisterklasse der Fächer „Suspense“, „Horror“ und „Dark Fantasy“ bekennt sich als seine Schüler: Zum Tod des Schriftstellers Richard Matheson.

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          Sommer 2009, Mittagessen in der Kantine eines der wenigen erfolgreichen Ostküsten-Filmstudios. Zwei Veteranen von der logistisch-finanziellen Seite des Science-fiction-Kinos halten Hof, in Geberlaune: „Weißt du noch...“, „...und dann hat Schwarzenegger...“ - bis die Rede auf Richard Matheson kommt. Blicke werden gesenkt, man schaut anderthalb Minuten lang schweigend aufs Tischtuch, als schulde man dem Genannten, der ja noch lebt, bereits ehrendes Gedenken, zumindest aber den Respekt, der Königen, Heiligen und Pionieren zusteht. Schließlich sagt der Ältere der beiden, er geht schon auf die Achtzig zu: „Jedenfalls hat Steve alles, was er kann, bei ihm gelernt.“ Der deutsche Zaungast fragt nach: „Steve? Stephen King? Steven Spielberg?“ Die beiden wechseln einen konspirativen Blick, dann sagt der Jüngere lässig: „You know, that’s just the thing - you could say this about both of them and not be wrong.“

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Von Matheson nämlich stammt nicht nur das nach eigener Kurzgeschichtenvorlage erarbeitete Drehbuch zu Spielbergs erstem, noch heute frischgestochene Panik freisetzenden Filmterroranschlag „Duel“ (1971), sondern auch ein Gesamtwerk, von dem Kollege King nach eigenem Zeugnis stärker beeinflusst ist als von allem, was er sonst gelesen hat. Robert Bloch, der Autor von „Psycho“, nannte Matheson das „größte Talent fürs Entsetzliche, das wir haben“. Ähnliche Ergebenheitsadressen gibt es von Ray Bradbury, Harlan Ellison, Roger Corman, Brian Lumley, Gahan Wilson, kurz, einer kompletten Meisterklasse der Fächer „Suspense“, „Horror“ und „Dark Fantasy“.

          Er hatte alles selbst erfinden müssen

          Kinotauglicher als Mathesons war kaum je ein Oeuvre; allein die Erzählung „I am Legend“ erfuhr drei Verfilmungen - 1964, 1971 (die beste Fassung, als „The Omega Man“, mit Charlton Heston) und 2008. Weniger bekannt, aber von immenser Tragweite, sind in Europa seine Leistungen fürs Fernsehen: Mathesons Arbeit etwa an Rod Serlings Show „Twilight Zone“ in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren erwarb dem unheimlichen Genre eine Sprache aus ikonischen Motiven, dichter Atmosphäre und Rhythmen für kurze Erzählbogen, von der noch die derzeitige Blüte der Seriendrehbuchkunst zehrt.

          Dass so viele heutige Konventionen der literarischen und filmischen Phantastik auf ihn zurückgehen, liegt wohl auch daran, dass er sie alle aus aufrichtiger Unkenntnis der Gattung selbst erfinden musste: Mathesons 1950 im „Magazine of Fantasy and Science Fiction“ erschienenes Debüt „Born of Man and Woman“ war für ihn selbst gar keine Genregeschichte; vom zuständigen Markt hatte er, wie er später sagte, „keine Ahnung“.

          Am Sonntag ist Richard Matheson im Alter von 87 Jahren im kalifornischen Calabasas gestorben.

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