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Zum Tod Ugo Riccarellis : Gebrochene Sporthelden

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Wer mit einem außergewöhnlichen Körper Übermenschliches schaffen konnte, der war ein Held für diesen Autor, der selbst zwischen Herzstillstand und Lebenswillen balancierte: Zum Tod des italienischen Schriftstellers Ugo Riccarelli.

          Ugo Riccarellis Leben war gezeichnet von Krankheiten, aber seinen eleganten, nachdenklichen Büchern merkte man das nur einmal an. Der 1954 geborene Schriftsteller hatte vor Jahren wegen lebensbedrohlichen Asthmas eine Herz- und Lungentransplantation in England überstanden - und darüber seinen Erstling geschrieben. Vielleicht war gerade dieses Balancieren zwischen Herzstillstand, Atemnot und Lebenswillen ein Grund, warum Riccarelli Jahre später so wundervoll über den Sport zu schreiben vermochte. Wer mit einem außergewöhnlichen Körper Übermenschliches schaffen konnte, der war Riccarellis Held - aber fast immer ein sehr tragischer Held, als müsse man für so viel Gnade auch einen bitteren Preis bezahlen.

          Sein großartiger Erzählungsband „Fausto Coppis Engel“ (deutsch 2004) stellt uns die Heroen der Populärreligion Sport als gebrochene Menschen vor: Den Bergradfahrer Fausto Coppi, der sich in den Hügellandschaften rund um Turin - Riccarelli stammte ebenfalls von dort - in Form brachte und wegen einer großen Liebe als Verheirateter von den Sittenrichtern gehetzt wurde. Riccarelli gedachte in einem unterkühlten und gerade dadurch bewegenden Ton der über dem Superga-Hügel abgestürzten Übermannschaft des AS Torino.

          Es wäre ein Sieg über den Tod hinaus

          Der Autor, der lange an Bibliothek und Theater in Pisa gearbeitet hatte, zog 2002 nach Rom, um im Stab des damaligen Bürgermeisters Walter Veltroni zu wirken. Später arbeitete er wieder am Theater in Rom. Riccarelli war hier eine große Bandbreite gegeben - von der in Italien so beliebten Familien-Nationalsaga „Il dolore perfetto“ („Der perfekte Schmerz“), für den der Autor 2007 den Premio Campiello erhielt, bis zur packenden literarischen Annäherung an den von der SS erschossenen Polen Bruno Schulz, dessen genial-hochsensibler Beobachtungsprosa sich Riccarelli verwandt fühlte: „Ein Mann, der vielleicht Schulz hieß“ (1999).

          Das letzte Werk kam erst dieses Jahr heraus und widmet sich wieder einem am Leben gescheiterten Sporthelden: dem mythischen brasilianischen Außenstürmer Garrincha. Weil das Buch ins Finale des „Premio Campiello“ kam und der Autor an diesem Montag in Rom starb, hat die Jury ein Problem: Kann der Preis an ihn gehen? Es wäre Riccarellis hochverdiente Goldmedaille nach zähem Kampf, ein Sieg über den Tod hinaus.

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