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Zum Tod von Harold Bloom : Der Finder des Menschlichen

Harold Bloom, geboren am 11. Juli 1930 in New York City, gestorben am 14. Oktober 2019 in New Haven, Connecticut, bei einer Rede im Jahr 2003 Bild: Picture-Alliance

Der amerikanische Literaturwissenschaftler Harold Bloom wurde mit seinem Kanon berühmt. Er war ein unbedingter Verteidiger der klassischen westlichen Kultur gegen alle multikulturellen Bestrebungen.

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          Harold Bloom war einer der Größten seines Fachs, der Literaturwissenschaft, aber man könnte meinen, dass er, der wie kein anderer dieser Zunft für die Kanonbildung eintrat, heute im Zeitakter der Diversität und Multikulturalität nicht mehr aktuell wäre. Das Gegenteil ist der Fall, denn erst in der Rückversicherung aufs Kanonisierte wird das Neue in seiner - positiv wie negativ - verändernden Kraft greifbar und verständlich. Deshalb war Bloom auch kein Freund des in seiner Studienzeit blühenden New Critcism. Die Deutung eines Kunstwerks aus diesem selbst heraus, ohne Mitwirkung des deutenden Geistes und im Bezug auf andere, ältere Werke, war ihm suspekt. Bloom wurde darüber selbst zum Klassiker. Er fehlt in keinem Kanon seines Metiers.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Der 1930 als Kind einer jiddisch sprechenden Familie in New York geborene Literaturwissenschaftler erwarb sich seinen Ruf in Yale, zunächst vor allem in der Auseinandersetzung mit englischen Dichtern wie Yeats, Blake oder Shelley. Den Gipfel seiner Bekanntheit aber erreichte er mit seinen Shakespeare-Deutungen in den späten neunziger Jahren, als er schon in Harvard und New York lehrte. Deren deutscher Titel, „Die Erfindung des Menschlichen“, trifft gut, was Bloom interessierte. Seine Methode verdankte sich psychoanalytischen Mustern; als autonomes Werk ließ er Literatur nicht gelten, sie war ihm immer Ausdrucksform und als solche fremdbestimmt durch ihren Schöpfer. Das ist ihm gerne als metaphysisch oder gar religiös vorgeworfen worden. Bloom störte das nicht. 1991 publizierte er sogar eine Studie über Poesie und Glauben.

          In seinem berühmtesten und durch dessen Subjektivität  provokantesten Buch, „The Western Canon“, zog er 2006 die Summe seines lesenden Lebens. Er maßte sich gar nicht an, für mehr sprechen zu können als für die Kultur, die er liebte, und es bestand für ihn auch kein Zweifel daran, dass die englische Literatur im Zentrum zu stehen hatte. Mit ihm ist am Montag in New Haven, Connecticut, der streitbarste Befürworter dessen, was intellektuell „der Westen“ genannt werden kann, gestorben, im Alter von 89 Jahren.

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