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Essayist Peter Hamm : Der große Bewunderer

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Keiner teilte so generös seinen Enthusiasmus für Literatur: Zum Tod des Journalisten, Essayisten und Dichters Peter Hamm.

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          Als ich ihn vor ein paar Tagen das letzte Mal in seinem Bücherhaus in Tutzing besuchte, wollte ich ihm etwas vorlesen. Er lag in einem Zimmer, das ausschließlich der Schweizer und der polnischen Literatur vorbehalten war. Ich zog die Gedichte von Gerhard Meier heraus, dem Dichter aus Niederbipp, den er liebte. Aus dem Band fielen mir Postkarten und Briefe des Autors entgegen, die dort seit wer weiß wie vielen Jahren im stummen Gespräch mit den Texten lagen.

          Der Schweizer Literatur hat Peter Hamm viele emphatische Essays gewidmet, das Alemannische war seine Heimat, Robert Walser einer seiner Götter in einem Literaturhimmel, dem er, bei strengster Qualitätskontrolle, immer neue Götter zuführte.

          In seiner Jugend waren es Nelly Sachs und Paul Celan, Ingeborg Bachmann und Peter Huchel, Günter Bruno Fuchs und Josef W. Janker, mit denen er zum Teil ausführlich korrespondierte, später kamen Fernando Pessoa, Unamuno und die spanischen Dichter hinzu, jetzt, am Ende seines Lebens, hatte er (fast) alles gelesen. Ich kannte keinen, der so generös seinen Enthusiasmus für Literatur teilte. Und Peter Handke kam hinzu, dessen Bücher er seit vierzig Jahren las und bewunderte. Über Peter Handke hat er einen seiner liebevollen Porträtfilme gedreht, wie auch über Ingeborg Bachmann, Robert Walser oder seine Freunde Alfred Brendel und Hans Werner Henze.

          Sie schwärmten von seiner Stimme

          Ohne Musik war sein Leben nicht denkbar. Früher saß er oft selber am Flügel, um etwas zu verdeutlichen; und früher schrieb er auch selber Gedichte: aber die eigenen Ansprüche waren zu hoch, da verlegte er sich lieber auf das Lob der anderen. Er selbst hat einmal behauptet, kein Literaturkritiker zu sein. Und tatsächlich sind auch seine Kritiken im strengen Sinne keine Wertungen; was ihm nicht gefiel, wurde oft barsch abserviert. Bei den Treffen zu unserer Petrarca-Preis-Jury kam er immer mit dem größten Stapel von Gedichtbänden, die er alle gelesen und mit Bleistift annotiert hatte; übrigens war er ein hervorragender Vorleser. Hörer des Bayerischen Rundfunks, für den er vierzig Jahre gearbeitet hat, schwärmen noch heute von seiner Stimme.

          Peter Hamm kam 1937 in München zur Welt, die Mutter starb kurze Zeit nach seiner Geburt. Über seine Schulzeit in Internaten in Oberschwaben ist er nie wirklich hinweggekommen, die Erinnerungen an die pädagogischen Züchtigungen waren zu schmerzhaft. Ich habe ihn oft gebeten, darüber zu schreiben, um sich von diesem Alb zu befreien, aber mehr als ein paar Seiten hat er nie geschafft. Schulabbruch, kein Abitur. Einige Zeit war er als Bursche für alles im Neske-Verlag in Pfullingen beschäftigt, wo damals neben Heidegger auch Witold Gombrowicz verlegt wurde und Walter Höllerer eine Schallplatte mit Gedichten zeitgenössischer Lyriker herausgab. In Höllerers Zeitschrift „Akzente“ standen dann auch Peter Hamms erste Gedichte, da war er noch lange nicht volljährig. Später ging er nach München, zunächst zu der Zeitschrift „Das Schönste“, dann zum Rundfunk, wo er das am Sonntag ausgestrahlte „Kulturjournal“ zu einer Kultsendung für die wenigen machte.

          Gestern auf seinem Totenbett sah er wie ein Dreißigjähriger aus, der Schmerz und die Melancholie waren verschwunden. Der letzte Satz, den er mir zuflüsterte, lautete: So viele Bücher, und keines kann ich mitnehmen. Ich habe mich nicht getraut, ihm mit einem Zitat von Simone Weil zu antworten, das er über alles geliebt hat: „Hat man einmal begriffen, dass man nichts ist, so ist das Ziel aller Anstrengungen, nichts zu werden.“

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