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Wolfsburg zeigt Rudolf Steiner : Ordnungssinn ist abzulehnen

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Die Idee vom Kosmos als umgestülptem Menschen

Die formale Verwandtschaft des ersten Goetheanums (Bau ab 1913) mit Erich Mendelsohns Einsteinturm (Bau ab 1919) ist frappant. So direkt, wie behauptet, dürfte der Einfluss jenseits der Jüngerschaft allerdings nicht sein. Zaha Hadid, Peter Cook, Gregory Burgess oder Eero Saarinen brauchen für ihre geschwungenen Architekturen kaum den Rückgriff auf Steiners Idee vom Kosmos als umgestülptem Menschen. Dennoch muss in dessen wirkmächtiger Propaganda fließender und auskristallisierender Formen wohl eine der mentalen Unterströmungen modernen Bauens und Gestaltens gesehen werden. Ihn in dieser Weise neu in der Kulturgeschichte verortet zu haben, darin besteht das große Verdienst dieser Ausstellung.

Die in der Planung später hinzugekommene Schau vom Kunstmuseum Wolfsburg, die den Blick von der modernen Kunst zurück auf Steiner wirft, hat es ungleich schwerer. Natürlich gibt es die direkten Bezugnahmen von Kandinsky, Mondrian oder Beuys. Die Installation „Basisraum nasse Wäsche“, die Beuys 1979 schuf, wirkt mit ihren drei langen Blechrinnen, einem kosmisch verdichteten Wäsche-Seife-Klumpen und einer Tischtafel mit der Seifenformel gar wie ein Nachbau einer der vielen abstrusen Wandtafelzeichnungen des Meisters, die in Wolfsburg als Bindeglied zwischen den beiden Ausstellungen fungieren.

Dürftige Wandtexte

Bekennende Filiationen aber sind wenig interessant. Wie die Anthroposophie im Verborgenen auf die Kunst wirkte, ob und wie sie etwa an der Überwindung des Symbolismus teilhatte, ist nicht leicht nachweisbar. Trotz sinnfälliger visueller Parallelen, was etwa die organischen Formen von Tony Craggs Wulstskulpturen angeht (früher anthroposophischer Steiner) oder die kristallinen Formen Helmut Federles (später anthroposophischer Steiner), eine inhaltliche Verbindung jenseits von Allgemeinplätzen (Tony Cragg: „Was uns fehlt, ist der Gesamtsinn“) lässt sich selten erkennen.

Die Umrechnungen naturwissenschaftlicher Daten in Lichtspiel (Carsten Nicolai), in Wachsverläufe (Spencer Finch) oder in Tanzbewegungen (Simon Dybbroe Møller) haben nichts mit dem anthroposophischen Monismus zu tun, sondern demonstrieren lediglich eine Neigung der Gegenwartskunst, sich an die Wissenschaft anzubiedern. Um so hemmungsloser toben sich die zugehörigen Wandtexte aus, sprechen brachialrhetorisch von Osmosen des Kollektiven und Individuellen, des Negativen und Positiven, des Sichtbaren und Unsichtbaren, Natur und Geist - das ist denn doch zu dürftig.

Formale Parallelen in der Gegenwartskunst?

Die Ausstellung tritt damit letztlich vielmehr den Beweis an, dass sich die Kunst der Gegenwart für das Heilsdenken Steiners überhaupt nicht interessiert. Viele der Künstler nutzen denn auch die Kataloginterviews, um vage auf formale Parallelen hinzuweisen, sich von der Anthroposophie selbst aber zu distanzieren. Selbst Katharina Grosse, deren farbige Raumskulpturen noch am ehesten an Waldorf-Fenstermalereien erinnern, sieht sich von Yoga und Hinduismus beeinflusst, nicht von Steiner.

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