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Postum veröffentlichter Roman : „Überläufer“ überrascht Witwe von Siegfried Lenz

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Aus Freundschaft wurde Liebe: Im Juni 2010 heiratetet der Schriftsteller Siegfried Lenz seine ehemalige Nachbarin Ulla Reimer. Bild: Picture-Alliance

Ein postumer Triumph für Siegfried Lenz, ein Glück für seine Leser – und eine Überraschung für die Witwe des im Herbst 2014 verstorbenen Schriftstellers: Ulla Lenz wusste nichts vom „Überläufer“.

          Warum Siegfried Lenz seinen 1952 abgeschlossenen und in diesen Tagen erstmals veröffentlichten Roman „Der Überläufer“ nach der Zurückweisung eines Lektors zeitlebens liegen ließ, sei im Nachhinein schwer zu begreifen. Das fesselnde Buch weise „schon alle Facetten seiner erzählerischen Meisterschaft und der Bildkraft der Sprache auf“, schreibt Friedmar Apel in seiner Besprechung für die Frankfurter Allgemeine, dass es nun doch erscheine, ist für den Rezensenten „ein postumer Triumph eines Autors, der Aufklärung und poetische Intensität unvergleichlich zu verbinden wusste - und ein großes Glück für passionierte Leser“.

          Für die Witwe des im Oktober 2014 verstorbenen Schriftstellers indes ist es eine Überraschung. Wie die Zeitung „Bild am Sonntag“ berichtet, hat die achtzigjährige Ulla Lenz von dem den seit mehr als sechs Jahrzehnten verschollenen Roman „Der Überläufer“ selbst nichts gewusst: „Noch in seinem letzten Lebensjahr hat mein Mann beschlossen, seinen literarischen Nachlass dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar zu überlassen“, erzählt sie, „wir sind gemeinsam dorthin gereist, um zu sehen, wo seine Manuskripte und Bücher in Zukunft aufbewahrt werden würden. Aber natürlich hatte ich damals, im Frühjahr 2014, keine Ahnung, dass ein unbekannter Roman in den vielen Kisten schlummern würde …“

          Ulla Lenz vermutet, der Roman habe sich in den Jahren zuvor im Keller befunden, „irgendwo vergraben zwischen den anderen Manuskripten, etwa der 'Deutschstunde' oder des 'Heimatmuseums', die er dort verwahrt hat. Ich hatte nie etwas von einem 'Überläufer' gehört. Und andere auch nicht, soweit ich weiß.“

          Beim Lesen des Romans komme es ihr oft so vor, als würde sie ihren verstorbenen Mann reden hören, erzählt Lenz. Die große Resonanz auf das Buch freut sie: „Es ist für mich eine große Freude, dass der Roman so vielen genauso gut gefällt wie mir. Ich lese alle Rezensionen und bin ganz erstaunt, was alle diese klugen Journalisten der großen Zeitungen in dem Buch entdecken. Es ist ganz wunderbar.“ Auf die Frage, wie es ihr siebzehn Monate nach dem Tod von Siegfried Lenz geht, antwortet sie: „Ich spreche mit ihm. Ich vermisse ihn und ich freue mich, dass seine Bücher mich noch eine Weile begleiten werden.“

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