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Wie man einen Roman schreibt : Der erste Satz kam mir im Traum

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Schreiben muss keinen Spaß machen, kann aber: Gwyneth Paltrow als Sylvia Plath im Spielfilm „Sylvia“ von 2003 Bild: Picture-Alliance

Geht es wirklich nicht ohne Einsamkeit, Askese und Akribie? Ein Schriftsteller erklärt, warum das Schreiben so viel mit Zufall zu tun hat und auf die Inspiration das zähe Feilen folgt.

          10 Min.

          Nach vierzig Jahren des Erfindens und Schreibens von Geschichten, von Beginn meiner Jugend an, ist die wertvollste Erkenntnis, die mich die Erfahrung gelehrt hat, die des Stellenwerts des Unerwarteten und Zufälligen in der Literatur. Es ist eine widersprüchliche Angelegenheit, von der ich nicht weiß, ob sie in anderen Betätigungen eine Entsprechung hat. Je häufiger man etwas unternimmt, je größer die gesammelte Erfahrung, desto geringer wird der Raum der Unsicherheit, sollte man meinen. Kompetenz bedeutet Beherrschung. Je besser ein Schütze geschult ist, desto unfehlbarer wird sein Schuss.

          Ich begann zum ersten Mal ernsthaft damit, einen Roman zu schreiben, nachdem ich über ein Jahr wöchentliche Zeitungsbeiträge verfasst hatte. Ein Roman ist, in der Begrifflichkeit des Entwerfens, ein Rahmen, der es erlaubt, Erfahrungen und Bilder miteinander zu verbinden, die im Prinzip sehr weit voneinander entfernt sind. Aber ich habe dieses Projekt über mehrere Jahre hinweg immer wieder aufgegriffen und verworfen, bin nicht weitergekommen und konnte es doch nicht aufgeben. Ich war in Flauberts Disziplinar- und Strafschule ausgebildet, auch aufgrund eines Essays von Mario Vargas Llosa, der mich sehr beeindruckt hatte, „Die ewige Orgie“. Vargas Llosa untersucht in diesem Essay die Entstehung von „Madame Bovary“ vor allem auf der Grundlage von Flauberts Briefen an seine Geliebte Louise Colet und betont darin den hohen Wert einer bewussten und nachhaltigen Anstrengung, einer absoluten Hingabe an die literarische Arbeit, einer akribischen Beherrschung jedes einzelnen Worts und jedes einzelnen Satzes.

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