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Plagiate in zweitem Buch : Die Collagen der Cornelia Koppetsch

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Die Autorin und Soziologin Cornelia Koppetsch. Bild: Jens Gyarmaty

Der Campus-Verlag wird das Buch „Die Wiederkehr der Konformität“ von Cornelia Koppetsch nicht mehr vertreiben. Grund sind auch hier Plagiate.

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          Der Skandal bei der Vergabe des Bayerischen Buchpreises, bei dem das von Cornelia Koppetsch nominierte Sachbuch „Die Gesellschaft des Zorns“ wenige Minuten vor der Verleihung von den Juroren gestrichen wurde, ist in der Wissenschaft noch nicht richtig verarbeitet, da kommt die nächste Hiobsbotschaft für die Darmstädter Soziologin: Der Campus Verlag teilt mit, dass der Verdacht begründet ist, in dem 2013 erschienenen Werk „Die Wiederkehr der Konformität“ sei auf ähnliche Weise mit Publikationen und Gedanken anderer Autoren verfahren worden wie in „Die Gesellschaft des Zorns“.

          Man habe daher entschieden, den Titel nicht weiter zu vertreiben. Die Geschäftspartner im Buchhandel würden umgehend informiert, „doch erfahrungsgemäß kann es einige Tage dauern, bis alle Datenbanken umgestellt sind und dies nach außen sichtbar wird.“

          Der Verlag hatte das 170 Seiten starke populärwissenschaftliche Sachbuch „Die Wiederkehr der Konformität – Streifzüge durch die gefährdete Mitte“ vor sechs Jahren veröffentlicht, ohne mitzuteilen, dass die Autorin Teile davon schon anderweitig publiziert hatte, darunter ein siebzehn Seiten langes Kapitel. An einer anderen Stelle hatte Koppetsch, als sie einen bereits 2011 publizierten Text in ihr neues Buch übernahm, den dort enthaltenen Quellennachweis auf einen anderen Wissenschaftler gelöscht und die Passage ansonsten wortgleich abermals veröffentlicht. 

          Schwerwiegender wirken allerdings die Fremdplagiate, mit denen der Verlag von dieser Zeitung konfrontiert wurde. Koppetsch scheint schon 2013 ähnlich verfahren zu sein wie in ihrem aktuellen Buch. Experten bezeichnen ihre Plagiate als Verschleierungen und Bauernopfer. Bei Verschleierungen wird die Quelle überhaupt nicht angegeben. Das tut Koppetsch meist bei kurzen Übernahmen, etwa von einem oder zwei Sätzen. Allerdings erfolgen diese Übernahmen häufig, und dies sogar bei Aussagen, deren Urheber in der Zunft der Soziologen bekannt ist.

          So schrieb der Jenaer Wissenschaftler Hartmut Rosa im Jahr 2005: „Wo Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft immer wieder neu und situativ verknüpft und gedeutet werden, ändert sich auch die Konzeption dessen, wer man war, ist und sein wird, stets aufs Neue. Gleichsam ,gezwungen', Zeithorizonte und -perspektiven permanent synchron und diachron flexibel und variabel zu halten, […].“ Koppetsch schreibt 2013, ohne eine Quelle zu nennen: „Wo Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ständig neu verknüpft und gedeutet werden, ändert sich auch das Gefühl dessen, wer man war, ist und sein wird, stets aufs Neue. Der Einzelne wird dazu gezwungen, seine Zeithorizonte und Identitätskonzepte flexibel und variabel zu halten.“

          Sogenannte Bauernopfer setzt Koppetsch ein, wenn sie Textpassagen oder ganze Gedankengänge übernimmt. In diesen Fällen fügt sie zwar gelegentlich innerhalb des letzten Satzes eines Absatzes eine Quellenangabe ein. Ein verständiger Leser bezieht diese Angabe aber lediglich auf die Aussage im betreffenden Satz und nicht den ganzen Gedankengang, den Koppetsch damit für sich reklamiert.

          Von einem Versehen wird man angesichts der Häufigkeit solcher Übernahmen nicht sprechen können. Vielmehr scheint Koppetsch regelmäßig einen Stil der Collage zu praktizieren. Sie mixt eigene neue Gedanken, die zweifellos auch existieren, mit bereits früher publizierten Gedanken und Ideen von Dritten, deren Urheberschaft teilweise genannt, teilweise aber eben auch nicht genannt wird. Diese Verfahrensweise wird man auch in einem Sachbuch, das sich durch Endnoten und Literaturverzeichnis einen wissenschaftlichen Anstrich gibt, nicht tolerieren können.

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