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Was wird aus Kleists Grab? : Nun, o Unsterblichkeit, bist du ganz mein

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Nur das Wasser kennt den genauen Todesort Kleists: Wannsee-Impression Bild: F.A.Z. - Julia Zimmermann

Bei der Gestaltung von Heinrich von Kleists Grab in Wannsee haben sich zwei Jahrhunderte lang Notlösungen und ideologischer Pomp die Hand gegeben. Welche ist die angemessene Form des Gedenkens? Der zweihundertste Todestag im Jahr 2011 drängt zur Antwort.

          Manche sehen Kleists Selbstmord am Wannsee als Schlussstein seines Werkes. Dass er und die mit ihm in den Tod gegangene Henriette Vogel als letzten Aufenthalt einen Gasthof namens „Neuer Krug“ wählten, kann als Postskript zu seinem Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ gewertet werden, dass dieser Gasthof einem Ort namens „Kohlhasenbrück“ nicht fern lag, ließe sich auf die Kleist-Novelle „Michael Kohlhaas“ beziehen. Dass er Henriette am 21. November 1811 in die Brust und dann sich selbst eine Kugel ins Hirn schoss, entspricht dem Ende seiner Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“.

          Doch noch erstaunlicher ist vielleicht, dass seine Anekdote „Der Griffel Gottes“ die Turbulenzen um seine Grabstätte vorauszuahnen scheint. Es geht darin um einen Grabstein mit lobhudelnder Inschrift, den ein Kloster einer bösen Gräfin nach Erhalt ihres Vermögens errichtet. Am Tag nach dem Begräbnis schlägt der Blitz ein, schmilzt den Stein und lässt von der üppigen Inschrift nur ein paar Buchstaben übrig, „die, zusammen gelesen, also lauteten: sie ist gerichtet“!

          In der sicheren Burg der Erde

          Bei Heinrich von Kleist mag es sich umgekehrt verhalten: War er bereit, als Sünder spurlos zu verschwinden, hat sein Grab nicht aufgehört, im Gewissen der Nachwelt umzugehen. Mit gutem Grund, denn in seiner Gestaltung haben sich zwei Jahrhunderte lang Notlösungen und ideologischer Pomp die Hand gegeben. Heute dient es, wie der Präsident der Kleist-Gesellschaft, Günter Blamberger, klagt, Grillabenden unter Anglern oder wird im Internet für Gruftie-Erlebnisse angeboten. Zum Kleistjahr 2011 schlägt er einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Grabes vor, den die Bundeskulturstiftung unter dem Vorbehalt unterstützen will, dass sich auch ein Fonds für die Ausführung des besten Entwurfs finden lässt.

          Heinrich von Kleist (1777-1811)

          Das Kleistgrab hat eine abenteuerliche Geschichte, die von der Berliner Gräber-Spezialistin Erika Müller-Lauter einst aufwendig rekonstruiert und 1991 im Kleist-Jahrbuch veröffentlicht wurde: Der Suizid schloss ein Grab auf geweihtem Boden aus, und in seinen Abschiedsbriefen äußerte Kleist hinsichtlich seiner Bestattung keine Wünsche; es war Henriette Vogel, die um eine gemeinsame Bestattung „in der sicheren Burg der Erde“ bat. So grub man beiden nach der Obduktion an der Todesstelle auf einem kleinen Hügel „hart am Wannsee“ ein Grab, das schon bald zum Wallfahrtsziel schwärmerischer Biedermeiergemüter avancierte, die der gemeinsame Liebestod faszinierte.

          Kein Zeugnis über eine Umbettung

          1818 konnte Ferdinand Grimm seinen Brüdern Jacob und Wilhelm die Grabstelle noch als „wol eine der stillschönsten Gegenden weit und breit“ beschreiben. Damals waren nach dem Vorbild der Rousseau-Grabinsel in Ermenonville rund um die Stätte zwanzig Pappeln angepflanzt worden, „aber bis auf eine fand ich alle verdorrt“. 1842 muss ein Besucher sich einen Weg durch Gestrüpp bahnen, ein anderer beschreibt die Gräber als „niedergetretene Erdaufwürfe“ in Gestalt von „zwei großen Maulwurfshügeln“. Zwanzig Jahre später ist bei einer Grabbesichtigung nicht mehr vom Wannseerand die Rede, sondern von einer „kleinen Lichtung mitten im Wald“. Aus derselben Zeit stammt ein Zeugnis, dem zufolge das Grab, vermutlich aufgrund von Sandverwehungen, „verlegt worden“ sei. Der Dichter Max Ring weiß 1861 vom „jeder Beschreibung spottenden traurigen Zustande“ des Grabes zu berichten, es sei „vollkommen verwüstet, von den darauf weidenden Kühen zertreten und verunreinigt“. Er tauscht den zwei Jahrzehnte zuvor gesetzten Gedenkstein aus, versieht ihn mit zwei Alexandrinern aus eigener Feder, ohne dabei allerdings das falsche Geburtsdatum zu korrigieren.

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