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Büchnerpreis für Terézia Mora : So diskret wie hartnäckig

Ausgezeichnet: Terézia Mora in Stuttgart Bild: dpa

Aus dem Staunen über die anderen folgt schließlich die Brücke zum Begreifen: Mit Terézia Mora erhält eine der originellsten Stimmen der deutschen Literatur den Büchnerpreis.

          1 Min.

          Endlich, möchte man sagen, der Büchnerpreis für eine der feinsten, originellsten und furchtlosesten Stimmen der deutschen Literatur, für Terézia Mora, für eine Prosa, die sich, gerade weil sie mit staunenswerter Effizienz erzählt, auf die Abwege derer begeben kann, von denen sie berichtet: Allen voran Darius Kopp, Mitte vierzig, IT-Spezialist und in der New-Economy-Blase hoffnungslos überfordert, dazu geschlagen mit einem Talent dazu, die Reaktionen seiner Umwelt fortwährend zu antizipieren und sich so - geschildert im Roman „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ - immer weiter in sich selbst zu verstricken.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Drei Romane und zwei Erzählungsbände hat Mora bislang publiziert; die 1971 in Ungarn geborene Autorin, die seit 1990 in Berlin lebt, debütierte 1999 mit der Kurzgeschichtensammlung „Seltsame Materie“ und wurde in der Folge vielfach ausgezeichnet, etwa 1999 mit dem Bachmannpreis, 2013 mit dem Deutschen Buchpreis und im vergangenen Jahr mit dem Preis der Literaturhäuser.          

          Geehrt wird nun eine deutschsprachige Erzählerin, die auch als Übersetzerin aus dem Ungarischen nicht nur mit ihrem Text Maßstäbe setzt, sondern auch in der Auswahl der Originalwerke, deren sie sich annimmt: Péter Esterházys „Harmonia Caelestis“, István Orkénys „Minutennovellen“, László Darvasi, Lajos Parti Nagy – die Latte liegt hoch. 

          „Alle leben so. Nur ich begreife es nicht“, lässt die Autorin jene Flora notieren, deren Spuren im Roman „Das Ungeheuer“ wiederum der Held Darius Kopp folgt, einige Zeit nach ihrem einsamen Tod. Wie aus dem Staunen über die anderen die Beobachtung folgt, schließlich die Beschreibung und damit die Brücke zum Begreifen, zeigen Moras Texte so diskret wie hartnäckig. Und dass daraus mitunter die Fremdheit zwischen zwei Menschen nur umso klarer hervorscheint. Auch das ein guter Grund dafür, Mora mit dem wichtigsten Preis des deutschen Literaturbetriebs auszuzeichnen.

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