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Jane Austen für junge Leser : Ich habe nichts gegen Liebe

  • -Aktualisiert am

Szene aus der „Stolz und Vorurteil“-Verfilmung von 2005 Bild: UIP/Cinetext

Junge Mädchen hatten es bei der Partnersuche schon immer schwer, auch zu Austens Zeiten. Aber kann man in den digitalen Scheinwelten, die von Proleten nur so wimmeln, überhaupt noch Liebe finden?

          Die Frage ist nicht, warum ich Jane Austen lese, sondern: warum andere es nicht tun. Wenn man mich aber fragt, warum ich schon mit dreizehn angefangen habe, Jane Austen zu lesen, und dies auch mit sechzehn noch tue, und zwar freiwillig, dann würde mir zunächst vermutlich einfallen, dass es sehr entspannend ist. Damit meine ich nicht, dass der vermeintlich inhaltlose Klatsch darüber, wer wen heiratet, zu anspruchslos wäre. Ich fände es ungerechtfertigt, Austens Werke darauf zu reduzieren, auch wenn ihre Themen auf den ersten Blick tatsächlich als trivial erscheinen. Sie erforschte das menschliche Wesen in allen Facetten und legt seine Komplexität dar. Sie schuf ein authentisches Porträt ihrer Zeit, zumindest hinsichtlich der gehobenen Mittelschicht; die Unterschiede zu meiner Generation fallen vor allem bei ihren Männerfiguren ins Auge.

          Obwohl meine Freundinnen sicherlich dreißig Minuten früher aufstehen, als nötig wäre, um sich ein farblich passendes Outfit zusammenzustellen, käme kein Junge jemals auf die Idee, die mal mehr, mal weniger geschmackvollen Kleider mit Komplimenten zu bedenken. Während Mr. Tilney in „Northanger Abbey“ charmant ein Gespräch damit eröffnet, fachmännisch über den Wert des Musselins zu reden, aus dem das seines Erachtens nach schwer waschbare Kleid von Miss Morland gemacht ist, würden die jungen Männer heute befürchten, als weibisch oder gar homosexuell abgetan zu werden, wobei vor allem letzteres ganz klar einen Angriff auf ihre Männlichkeit bedeuten würde.

          Dieser Holzschnitt zeigt Jane Austen.

          Tatsächlich taucht genau solch ein Charakter in dem Buch auf: James Thorpe gehört zu den impertinenten Gestalten, die kein Nein als Antwort gelten lassen, andere nicht zu Wort kommen lassen, weil sie sich selbst so gerne reden hören, und keine Sekunde daran zweifeln, unwiderstehlich für das andere Geschlecht zu sein. Damals wie heute wird Großmäuligkeit fatalerweise mit Selbstbewusstsein verwechselt und gilt als erstrebenswert.

          Die Probleme, mit denen sich die jungen Frauen in ihren Werken konfrontiert sehen, sind noch immer aktuell. Obgleich man nach Jahrhunderten des Kampfes um Gleichberechtigung von Mann und Frau meinen sollte, dass wir unser Glück nicht allein davon abhängig machen, ob wir einen festen Partner haben, sieht die Realität unter meinen Altersgenossen erschreckend anders aus. Austens Romanheldinnen brechen aus ihren konservativen Denkmustern aus und geben sich nicht mit einem Leben im Schatten eines Mannes zufrieden, sondern wollen geliebt und vor allem geschätzt werden. Wir müssen ihnen nacheifern und erneut Männer zu schätzen wissen, die bereit sind, in unsere Gedankenwelt vorzudringen, anstatt sich mit der Fassade zufriedenzugeben. Ich habe nichts gegen die Suche nach Liebe, aber können nicht endlich wieder die Gentlemen statt der bad boys in Mode kommen? Können wir uns nicht ein Beispiel an Miss Morland nehmen und einsehen, dass Mr. Tilney Mr. Thorpe vorzuziehen ist?

          Fans in historischen Kostümen zeigen die neue 10-Pfund-Note, auf der Jane Austen abgebildet ist.

          Bei der Heirat ging es zu Austens Zeiten um Klassenerhalt und Geld, und das einzige Kapital der Frauen war dabei ihr Aussehen. Bemerkenswert ist daher, dass die Protagonistinnen zwar recht hübsch sind, aber ihr Intellekt letztlich den eigentlichen Reiz für ihre Verehrer darstellt. Auch ist es in den Romanen nie Liebe auf den ersten Blick, sondern ein monate-, manchmal auch jahrelanges Kennenlernen, bis die Liebenden zueinanderfinden. In einer Zeit, in der die Medien jungen Mädchen ein absurd künstliches Schönheitsideal suggerieren und ein Körperkult praktiziert wird, in dem eine geradezu abgemagerte Figur als erstrebenswert gilt, tauche ich gerne in die Welt von „Stolz und Vorurteil“ ein, wo Elizabeth Bennett mit geistreicher Konversation statt mit aufgemalten Augenbrauen besticht.

          Allerdings muss man berücksichtigen, dass Mr. Darcy ein hochgebildeter Gentleman und kein Sportfetischist ist, der, wenn er nicht gerade im Fitnessstudio ist, seine Zeit vor dem Computer verbringt. Es muss schwer sein, sich mit jemandem über klassische Musik zu unterhalten, wenn er dabei dauernd auf seinem Handy herumtippt. Und ein schriftliches Liebesgeständnis wie in „Anne Elliot“ erzielt nur dann seine Wirkung, wenn es grammatisch korrekt ist und man nicht durch ständige Rechtschreibfehler von der eigentlichen Botschaft abgelenkt wird.

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          Meiner Ansicht nach könnte dem vorgebeugt werden, wenn junge Mädchen ab und zu noch etwas anderes lesen würden als die Befehle ihres Kommandanten, der sie in Internetwelten zu ruhmreichen Siegen führt. Im Gegensatz zu Marianne in „Verstand und Gefühl“, die ein gewisses Niveau gewohnt ist und die gefühllose Art zu lesen an Edward Ferrars kritisiert, bauen wir heute darauf, dass der Autokorrektor zumindest die gröbsten Fehler verbessert.

          Mit jedem Kapitel in Austens Büchern gewinnt man ein Stück an Menschenkenntnis hinzu. Man blickt tiefer, unter die Oberfläche tadelloser Manieren, aufgesetzter Höflichkeit und heuchlerischen Interesses an allen nichtigen Gesprächsthemen, die ein Ball so zu bieten hat. Vielleicht helfen mir diese Eindrücke dabei, auch unter die Oberfläche von Schminke, vulgärem Gegröle und spätpubertären Attitüden zu sehen.

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