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Briefe von Walter Boehlich : „Mein Charakter ist schlecht“

  • Aktualisiert am

Walter Boehlich (1921 bis 2006), hier bei einer Rilke-Parodie in Bonn 1951 Bild: Familienarchiv

Der Lektor und Publizist Walter Boehlich nahm in seinen unterhaltsam scharfen Briefen kein Blatt vor den Mund – ob er nun Philosophen wie Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse oder Carl Schmitt, Verlegern wie Siegfried Unseld oder Polizeipräsidenten schrieb.

          6 Min.

          An Theodor W. Adorno

          24. Juni 1963

          Lieber Herr Adorno,

          mein Charakter ist schlecht, aber nicht schlechter als mein sachliches Interesse groß ist. Ich glaube, daß die Mehrwert-Theorie, die Sie verfochten haben, doch nicht mit der von Marx übereinstimmt und führe deswegen eine kurze Stelle aus dem 14. Kapitel des 15. Abschnittes des 1. Buches des „Kapitals“ an, die mir meine These zu beweisen scheint und darüber hinaus Ihnen die Genugtuung geben könnte, daß selbst Sie Ihrem Unternehmer, dem Staat also, Mehrwert erwirtschaften könnten.

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