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Vor der Nobelpreisverleihung : Was Handkes Literatur ausmacht

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Um zu verstehen, ob er ihn verdient hat, muss man sein Schaffen kennen: Peter Handke, Literaturnobelpreisträger Bild: dpa

Am kommenden Dienstag erhält Peter Handke den Literaturnobelpreis. Wofür? Wir betrachten die verschiedenen Aspekte seines Schaffens.

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          Der Epiker

          Peter Handkes schönster Roman ist gar keiner, jedenfalls wenn es nach der Gattungsbezeichnung geht, die diesem Buch fehlt: „Die Wiederholung“, erschienen 1986, beschreibt die Reise eines jungen Mannes aus Kärnten durch Jugoslawien auf den Spuren seines verschollenen Bruders und ist zugleich ein aus dem Abstand von fünfundzwanzig Jahren verfasster Kommentar zu dieser Reise, eine doppelte, vertiefende Wiederholung also samt einer Fülle von weiteren Doppelgängern des Erzählers. Geschrieben ist dieses Buch in einer Prosa, die sinnlich und reflexiv zugleich ist, ohne dass das eine das andere überlagerte und ohne dass die enthaltene Geschichte einer beglückenden Heilung allzu aufgesetzt daherkäme – Qualitäten also, die man in späteren Werken des Autors vermissen kann.

          Tatsächlich füllen die Prosa-Arbeiten Handkes, die gerade im Rahmen einer schmucken Werkausgabe erschienen sind, sechs schwere Bände von zusammen gut 5200 Seiten (nicht gerechnet die Gedichte und Theaterstücke, die noch einmal drei Bücher einnehmen). Als „Roman“ werden darin nur vier Texte bezeichnet, und während über den sperrigen Gestus der „Hornissen“, 1966 Handkes Debüt bei Suhrkamp, und des „Hausierers“ (1967) die Zeit hinweggegangen ist, gehen die späten Romane „In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus“ (1997) und „Der Bildverlust“ (2002) den Weg weiter, den Handke in den späten Siebzigern eingeschlagen hatte. Hier tritt nun zu der bereits frühen selbstreflexiven Grundierung und Binnenspiegelung der erzählenden Texte – als Romancier kann man Handke daher durchaus in der Nähe der Romantiker ansiedeln – ein religiös überhöhter Ton. Bisweilen wird dabei sogar die Grenze zum bedeutungsheischenden Sprachkitsch überschritten.

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