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Poetische Prosa : Amerikanischer Schriftsteller Denis Johnson gestorben

Gesellschaftskritisch: Denis Johnson Bild: Cindy Lee Johnson

Wer die Nachtseite des amerikanischen Traums dokumentiert sehen wollte, der war in seinen Büchern genau richtig. Jetzt ist der Schriftsteller Denis Johnson mit siebenundsechzig Jahren gestorben.

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          Sein letzter großer Erfolg, ja eigentlich sein einziger Publikumserfolg war der Roman "Tree of Smoke", der vor zehn Jahren in den Vereinigten Staaten den National Book Award gewann und für den Pulitzer-Preis nominiert war. Auf Deutsch erschien er 2009 als "Ein gerader Rauch", doch wie alle Bücher von Denis Johnson fand er hier nur relativ geringe Beachtung - verglichen mit Generationskollegen wie Paul Auster oder T.C. Boyle. Johnson fehlte die gutmütige Seite bei aller gesellschaftskritischen Schärfe, und das lag an seinen Lebenserfahrungen, die den 1949 als Sohn eines amerikanischen Geheimdienstlers in München geborenen Schriftsteller in den sechziger Jahren an den Rand des Todes gebracht hatten: durch Drogen.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Im Erzählungsband "Jesus' Son" von 1993 legte Johnson Zeugnis davon ab, die autobiographischen Elemente seines Protagonisten "Fuckhead" waren unübersehbar. Begonnen aber hatte er als Lyriker, und diese Leidenschaft ist etlichen Romanen noch anzumerken – "Schon tot" von 1997 wurde etwa durch ein Gedicht von Bill Knott angeregt, und die Prosasprache Johnsons ist eine höchst poetische, die für die Extremsituationen seiner Protagonisten Bilder findet, die unvergesslich sind. Der "Engel" seines gleichnamigen Debütromans von 1983 etwa ist ein "snow angel", also jene Figur, die Kinder durch Ausstrecken und Armrudern in den Schnee malen. Dieses kindliche Vergnügen ist den Erwachsenen in Johnsons Roman als Trost geblieben.


          Seine Bücher sind düster, sie erzählen von den Nachtseiten des amerikanischen Traums, und der Mord ist nicht nur bei Johnsons Ausflug ins Krimigenre mit "Keine Bewegung!" von 2009 selbstverständlich. "Ein gerader Rauch" führt uns in die Zeit des Vietnam-Kriegs, sein jüngster Roman, "Die lachenden Ungeheuer", ins Gemetzel der Bürgerkriege im gegenwärtigen Westafrika. Neue literarische Ausflüge ins Dunkle wird es aber nun nicht mehr geben. Am vergangenen Mittwoch ist Denis Johnson mit 67 Jahren gestorben.

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