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Ukrainische Autoren schreiben an Putin : Wir wollen nicht von Russland beschützt werden!

  • -Aktualisiert am

Pro-russische Soldaten ohne Kennzeichnungen auf der Krim Bild: REUTERS

Ukrainische Schriftsteller aus dem Osten des Landes wehren sich in einem Offenen Brief an Putin gegen die Vereinnahmung durch Russlands Regierung. Die einzige Bedrohung ist für sie das russische Eindringen in die Ukraine.

          Eine Gruppe russisch-ukrainischer Schriftsteller hat in Charkiw einen Offenen Brief an die russische Regierung veröffentlicht mit der Bitte, sie mit russischem Schutz zu verschonen und das infame Gerede von einer „brüderlichen Hilfe für Landsleute“ zu beenden, mit man die militärische Invasion benachbarter Staaten zu rechtfertigen versuche.

          „Wir sind Bürger der Ukraine und brauchen keine ausländische Schutzmacht. Wir kommunizieren in unserer Arbeit wie auch darüber hinaus frei in russischer Sprache und glauben nicht, dass eine sprachliche oder ethnische Frage als Vorwand für eine militärische Intervention dienen darf. Alles, was wir brauchen, ist ein anständiges und friedliches Leben. Und die einzige Bedrohung dafür resultiert heute aus der Entscheidung der russischen Regierung, in unser Land einzudringen.“

          Der Brief war einer von Tausenden, die in den letzten Tagen von ethnischen Russen oder russischsprachigen Einwohnern der Ukraine (einschließlich der Krim) geschrieben wurden, aber keinerlei Sympathie für das Kreml-Regime und erst recht nicht für dessen brutales militärisches Vorgehen zum Ausdruck bringen. All diese Briefe sind offen unterzeichnet und veröffentlicht – im Gegensatz zu den angeblich aus der Ukraine stammenden „Hilferufen“, die russische Behörden zitieren.

          Auch in vorgeblich „pro-russischen“ Städten wie Odessa, Charkiw und Dnipropetrowsk hat es Massenproteste gegen die russische Invasion gegeben. Bemerkenswerterweise brachten sie nicht nur Anhänger des Majdan auf die Straße, sondern auch deren Gegner, die dennoch den Gedanken einer ausländischen militärischen Einmischung in ukrainische Angelegenheiten als unerträglich empfinden.

          Sprache allein schafft keine Landesgrenzen

          Das dürfte eine Überraschung für die Machthaber im Kreml gewesen sein, die sich selbst und die meisten ihrer Mitbürger glauben machen wollen, Ukrainer und Russen seien „fast ein Volk“ und ihre „brüderliche Wiedervereinigung“ daher nur eine Frage der Zeit. Die Tatsache, dass nahezu die Hälfte der ukrainischen Bevölkerung Russisch als Muttersprache spricht und die andere Hälfte das Russische recht gut beherrscht, mag durchaus die Illusion einer gewissen „Gleichheit“ erzeugen, vor allem wenn man wie die meisten Russen glaubt, Kiew sei in der Geschichte immer schon russisch gewesen, während die Ukrainer erst später gleichsam als geschichtliche Abweichung entstanden wären – und nicht umgekehrt.

          Das Fehlen erkennbarer Feindseligkeit gegenüber Russen (selbst in der Westukraine unterscheidet man deutlich zwischen den Russen und dem russischen Imperialismus) mag auch zur Illusion einer „Bruderschaft“ beitragen.

          Doch die Sprache ist in historischen oder politischen Auseinandersetzungen ein sehr vages Argument. Wie wir wissen, treibt die gemeinsame deutsche Sprache die Österreicher nicht zu einer Wiedervereinigung mit Deutschland (sofern kein Reichskanzler von außen „brüderliche Hilfe“ dazu leistet), und auch die englische Sprache sorgt beim irischen Volk nicht für Loyalität gegenüber der britischen Krone.

          Die Ukraine hat bereits für ihre Unabhängigkeit gestimmt

          In der Ukraine zeigen landesweite Umfragen, dass mehr als neunzig Prozent der Befragten im Westen und mehr als siebzig Prozent im Osten sich als ukrainische Patrioten fühlen. In Donezk lehnen nur zwei Prozent diesen Begriff entschieden ab, und sechzehn Prozent würden ihn nur widerwillig verwenden.

          Nach einer Meinungsumfrage, die vom 8. bis 18. Februar, kurz vor der Absetzung Janukowitschs, durchgeführt wurde, wünscht sich in der Westukraine niemand einen gemeinsamen Staat mit Russland; in der Mittelukraine befürworteten nur ein paar Prozent diesen Gedanken; in der Region Charkiw waren es 15 Prozent, in Luhansk und Odessa 24 Prozent, in Donezk 33 und auf der Krim 41 Prozent – kaum eine deutliche Mehrheit für eine radikale separatistische Forderung.

          Tatsächlich stimmen diese Zahlen weitgehend mit den Ergebnissen der Volksabstimmung zur Unabhängigkeit der Ukraine von 1991 überein, die von eindrucksvollen 98 Prozent im Westen bis zu bescheidenen 54 Prozent Jastimmen auf der Krim reichten, aber überall in der Ukraine eine Mehrheit für die Unabhängigkeit ergaben.

          Auch heute würde eine Volksabstimmung wahrscheinlich zu denselben Ergebnissen führen, aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Kreml bereit wäre, irgendeine Wahl oder Volksabstimmung anzuerkennen, die außerhalb der Kontrolle durch seinen Militär-, Sicherheits- und Propagandapparat stattfände.

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