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Reaktionen zum Tod von Grass : „Ein eigenwilliger politischer Geist“

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Er war stets ein politischer Kopf: Im Jahr 1967 mit Willy Brandt bei einer SPD-Wahlkampfveranstaltung. Bild: dpa

Zahlreiche Politiker und Prominente aus dem Bereich von Kultur und Medien äußerten sich zum Tod von Günter Grass. FAZ.NET versammelt die wichtigsten Stimmen.

          Bundespräsident Joachim Gauck hat den an diesem Montag gestorbenen Literaturnobelpreisträger Günter Grass als großen Autor und streitbaren politischen Geist gewürdigt. In einem Kondolenzschreiben erklärte Gauck: „In seinen Romanen, Erzählungen und in seiner Lyrik finden sich die großen Hoffnungen und Irrtümer, die Ängste und Sehnsüchte ganzer Generationen.“ Grass sei zeitlebens ein eigenwilliger politischer Geist gewesen, der Auseinandersetzungen und Kritik nicht fürchtete und politische Debatten über Jahrzehnte wesentlich beeinflusste. „Sein Werk ist ein beeindruckender Spiegel unseres Landes und ein bleibender Teil seines literarischen und künstlerischen Erbes.“

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Bedeutung des Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass „mit tiefem Respekt“ gewürdigt. Sie habe Grass’ Witwe in einem Kondolenzschreiben ihre Anteilnahme bekundet, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montagnachmittag in Berlin. Grass habe „die Nachkriegsgeschichte Deutschlands mit seinem künstlerischen sowie seinem gesellschaftlichen und politischen Engagement wie nur wenige begleitet und geprägt“, schrieb Merkel demnach. „Mit dem Tod von Günter Grass verliert die Bundesrepublik Deutschland einen Künstler, von dem ich mit tiefem Respekt Abschied nehme.“ Der Schriftsteller hatte Merkel auch zuletzt noch mehrfach kritisiert und der Kanzlerin eine Gefährdung des Projekts Europa vorgeworfen.

          Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel würdigte Grass als Wegbegleiter, engen Freund und Ratgeber der deutschen Sozialdemokratie: „Mit ihm verlieren wir einen der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsgeschichte und einen engagierten Autor und Kämpfer für Demokratie und Frieden“, erklärte er in Berlin. Grass hatte immer wieder Wahlkampf für die SPD gemacht und vor allem mit Willy Brandt einen engagierten Austausch gepflegt. Der Schriftsteller könne als ein öffentlicher Intellektueller auf ein literarisch und politisch einzigartiges Leben zurückblicken. „Ohne seine mahnende Stimme für mehr Toleranz, seinen Willen zur Einmischung und seine regelmäßigen politischen Interventionen wäre unser Land ärmer“, betonte der Vizekanzler. „Die SPD verneigt sich vor Günter Grass.“

          Er hast sich an der Geschichte gerieben

          Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat Grass als großen Literaten und politisch engagierten Künstler gewürdigt. „Günter Grass mochte Berlin, und er kannte Berlin“, erklärte Müller zum Tod des Autors. Die politisch wichtigste Berliner Begegnung sei die Freundschaft mit dem damaligen Regierenden Bürgermeister Willy Brandt gewesen. Grass habe dessen „überfälligen gesellschaftspolitischen Aufbruch in der ausgehenden Adenauer-Ära“ mit ganzer Kraft unterstützt. „Günter Grass ist der Prototyp des sich politisch und gesellschaftlich zu seiner Verantwortung bekennenden Künstlers“, betonte Müller.

          Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat sich „tief bestürzt“ vom Tod des Schriftstellers Günter Grass gezeigt. Grass sei ein großer Bürger und Sohn der Stadt Lübeck, wie ein Außenamtssprecher in Berlin sagte. Es sei tragisch, dass Grass jetzt gestorben sei, einen Tag, bevor die Welt auch wegen eines G7-Außenministertreffens in Lübeck auf die Stadt blicken werde.

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