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„Wikipedia-Autor“ Rubinowitz : Plagiarismus, getarnt als Recherche

  • -Aktualisiert am

Übervorsichtigkeit der Verlage

Vielleicht hat Rubinowitz wirklich gedacht, er recherchiere, als er die Wikipedia-Einträge zeilenweise in seine „Irma“-Datei reinkopiert hat. Doch genau an dieser Stelle fährt der Verlag nun ungewollt seinem sorglosen Autor in die Parade. Denn Rowohlt hat dem Buch ein recht kleinteiliges Quellenverzeichnis angehängt - in dem allerdings keine einzige der Wikipedia-Stellen verzeichnet ist.

Stattdessen finden sich dort völlig unnötige Quellenangaben zu im Buch zitierten Songs, einer Fernsehserie und Zeitschriftentexten. Wenn im Text das Lied „Madam Butterfly“ von Malcolm McLaren expressis verbis erwähnt wird und einige daraus stammende Liedzeilen dann formvollendet in Anführungszeichen zitiert werden (Seite 14), dann braucht es von Verlagsseite wirklich keine zusätzliche Quellenangabe. Aber seit dem Fall Helene Hegemann neigen die Verlage hier zur Übervorsichtigkeit. In einer späteren Auflage des Hegemann-Romans „Axolotl Roadkill“ hatte Ullstein damals alle möglichen Quellen nachgeliefert, um transparent zu machen, was von der Autorin kommt und was von woanders her genommen wurde. Nur diese Übervorsichtigkeit erklärt, warum ein im Text klar ausgewiesenes Fernseh-Zitat mit einer nachgerade wissenschaftlichen Fußnote belegt wird: „S. 109: Das Zitat entstammt der US-Fernsehserie ,Kobra, übernehmen Sie!‘ (Originaltitel: ,Mission Impossible‘), Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen durch die ARD 1967-69 / Synchronisation Bavaria Atelier GmbH.“

Ein hohles Spendenversprechen?

Nach dieser Logik der Quellenangabe sind die fehlenden Angaben zu all den Wikipedia-Artikeln eine gravierende Lücke, über die der Rowohlt-Verlag ebenso wenig erfreut sein dürfte wie damals das SZ-Magazin. Man kann diese geplünderten Quellen freilich nachtragen. Aber die neutralste Feststellung ist dann doch die, dass Tex Rubinowitz eben notorisch bei Wikipedia abschreibt, wobei man diese Abschreiberei ja, wie gesagt, auch proaktiv als Teil einer Arbeitsweise verkaufen könnte.

Ein Problem ist dabei natürlich der Verstoß gegen das Lizenzmodell von Wikipedia (es steht unter jedem einzelnen Artikel und beinhaltet die Nennung der Quelle und die Weitergabe unter gleichen Bedingungen). Nachdem er jedenfalls im Februar mit seinem plagiatorischen Magazintext aufgeflogen war, bezeichnete er die angekündigte Spende der Hälfte seines Honorars an die Wikimedia Foundation noch als „eine perfekte symbolisch Lösung“ (sic!).

Einige Wochen später hat er seinen Plagiarismus aber in Interviews mehrfach relativiert. Das heroische Spendenversprechen war möglicherweise auch nur wieder irgend so etwas, das Rubinowitz so dahinsagt, wenn ein Tag kein Ende nimmt. „Ist es denn wenigstens zur angekündigten Spende gekommen?“, fragte daraufhin die Autorin Doris Brockmann via Twitter. Angesichts der Tatsache, dass nun Wikipedia-Autoren erwiesenermaßen ungefragt mit an Tex Rubinowitz’ Texten schreiben, ist das doch wirklich mal eine interessante Frage.

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