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Securitate-Mitarbeit : Die Fortsetzung der Verleumdung

  • -Aktualisiert am

Protest gegen einen Opfer-Täter-Vergleich: Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller Bild: REUTERS

Der ehemalige Securitate-Mitarbeiter Claus Stephani hat in der F.A.Z. einen Vergleich zwischen seiner Täterakte und der Opferakte Herta Müllers gezogen. Die Literaturnobelpreisträgerin verwahrt sich dagegen in einem Protestschreiben.

          Am 20. November hat Claus Stephani in der F.A.Z. (siehe Schwester Lüge, Bruder Schmerz: Wie Claus Stephani Spitzel wurde) geschrieben: „Die Berichte in Maschinenschrift, wo ‚ss Moga‘ und der Name des Offiziers (ebenfalls mit Schreibmaschine) darunter stehen, stammen nicht von mir. Dieser ‚Mircea Moga‘ ist eine Attrappe und als solche ein Fratze der Rache. Solche Attrappen, wie auch jene der ‚Cristina‘, sind inzwischen bekannt.“

          Ich habe nach dem Studium meiner Securitate-Akte einen Essay veröffentlicht mit dem Titel „Cristina und ihre Attrappe. Was (nicht) in den Akten der Securitate steht“ (Wallstein Verlag, 2009). Cristina steht auf dem Deckblatt meiner Opferakte. In Rumänien wurden sowohl Täter- als auch Opferakten unter einem Decknamen geführt. In dem Essay beschreibe ich die Verleumdungsstrategie der Securitate. Da ich mich weigerte, in einer Maschinenbaufabrik in Temeswar für die Securitate zu spitzeln, hat die Securitate als Rache die Spitzel in der Fabrik angewiesen, das Gerücht zu verbreiten, dass ich ein Spitzel sei. Von der Betriebsleitung wurde ich jeden Morgen aufgefordert, die Fabrik zu verlassen, und ich durfte mein Büro nicht mehr betreten. Bis ich rausgeschmissen wurde, saß ich zwischen den Etagen auf der Treppe und übersetzte Maschinenbeschreibungen. Und die Kollegen glaubten dem Gerücht und mieden mich. Diese Situation war für mich der Höhepunkt aller Schikanen.

          Als mein Buch „Niederungen“ erschien, hat der Geheimdienst auch über Informanten in der Landsmannschaft der Banater Schwaben mit dem Gerücht, ich sei eine Agentin der Securitate, ganze Kampagnen geführt. Die Verleumdung steigerte sich zu der Behauptung, ich hätte „Niederungen“ im Auftrag der Securitate geschrieben, um die deutsche Minderheit in Rumänien zu diskreditieren. Heute muss ich in meiner Akte lesen, dass von der Securitate auch Briefe mit diesem Inhalt an deutsche Journalisten geschickt wurden. Diese erfundene Agentin nenne ich die Attrappe der verfolgten Cristina. Dadurch sollte meine Kritik an der Diktatur unglaubwürdig werden. Genau wie in der Fabrik sollte man mir auch im Westen nicht mehr trauen.

          Tätergeschichte und Opfergeschichte

          Aber wie kommt Claus Stephani dazu, seine Spitzeltätigkeit mit dieser Attrappe auf eine Stufe zu stellen? Schon das Pathos im Titel seines Artikels ist geschmacklos: „Schwester Lüge, Bruder Schmerz“. Darin stimmt nur „Schwester Lüge“. Schmerz sieht anders aus. Bis heute hat Stephani es nicht für nötig gehalten, auch nur einem der vielen vom ihm Bespitzelten ein Wort des Bedauerns zu sagen. Stattdessen will er nun selbst bedauert werden. Claus Stephani begegnet man nicht nur als IM „Mircea Moga“, sondern auch als IM „Moga“ und als IM „Marin“ in vielen Akten von Freunden und Bekannten – und zwar bis zum Sturz des Regimes. Es gibt von ihm unzählige Berichte voller Einzelheiten aus der Redaktion der „Neuen Literatur“, deren Inhalt ein Führungsoffizier nicht erfinden konnte. Er berichtet sogar, dass die Zensorin der Zeitschrift nicht rigoros genug in die Texte eingreife.

          Im Diskussionsforum der „Siebenbürgischen Zeitung“ wird ein Bericht zitiert, in dem die Securitate selbst die Identität des Spitzels „Marin“ als stellvertretenden Chefredakteur der „Neuen Literatur“ bezeichnet. 1988 war dies Claus Stephani. „Beim Treffen, das am 31. Dezember stattfand, teilte mir die Quelle ‚Marin‘ mit: ‚Am Morgen des 31. Dezember 1988 sei die Quelle telefonisch von der Frau des Pfarrers Ambrosi darüber informiert worden, dass der Schriftsteller Hauser Arnold, Chefredakteur der Zeitschrift ‚Neue Literatur‘, in der Nacht vom 30. zum 31. Dezember verstorben sei. Die Quelle, die stellvertretender Chefredakteur derselben Zeitschrift ist, wurde instruiert, mit den anderen Mitgliedern der Redaktion zu diskutieren (...) Er soll uns weiterhin über die eventuellen Spekulationen oder Interpretationen des Falles informieren.“

          Claus Stephani, mir bekannt als einer der eifrigsten Spitzel der Securitate, will uns nun in seiner dreisten Rechtfertigung weismachen, der IM „Moga“ sei wie „Cristina“ eine Attrappe. Ich bin von Leuten wie ihm denunziert und verleugnet worden. Von mir gibt es keine IM-Berichte, keine Täterakte. Wenn sich heute Mitarbeiter der Securitate in dieser Zeitung eine Analogie ihrer Tätergeschichte mit meiner Verfolgungsgeschichte konstruieren, dann bedienen sie sich der Verleumdungsmethoden der Securitate. Dagegen muss ich protestieren.

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