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Schriftstellerin Zadie Smith : Wir haben Erstaunliches zu erwarten

  • Aktualisiert am

Findet Fotos von Schriftstellern eigentlich überflüssig: Die englische Autorin Zadie Smith Bild: AFP

Die englische Bestsellerautorin Zadie Smith über die Herausforderung, als Schriftstellerin Kinder zu haben, ohne wahnsinnig zu werden, das Grauen in Kaufhäusern für Babybekleidung und Feminismus ohne Wut.

          Die englische Bestsellerautorin Zadie Smith, 34, („Zähne zeigen“) hat eine Anthologie herausgegeben, für die sie die Crème de la Crème der englischsprachigen Literaturszene gewonnen hat. Dave Eggers, Jonathan Safran Foer, Miranda July, A. L. Kennedy und viele andere sind mit neuen Geschichten vertreten, darunter auch die Herausgeberin selbst, deren einzige Vorgabe an die Autoren war, sie sollten einen Charakter erfinden.

          Im Vorwort Ihrer Anthologie „Das Buch der anderen“ erklären Sie, die Schriftart, in der ein Schriftsteller arbeitet, sage eine Menge über seinen Charakter aus. Welche benutzen Sie?

          Garamond 12.

          Wie sieht sie aus?

          Sie ist ziemlich rund und vermittelt eine Tiefe, die ich mag. Ich bin vollkommen neurotisch, was diese Schrift angeht.

          Inwiefern?

          Ich kann in keiner anderen schreiben. Manchmal bekommt man Manuskripte ja formatiert vom Verlag zum Überarbeiten zurück. Ich muss den Text dann immer erst wieder in Garamond zurückversetzen, sonst kann ich nichts daran machen.

          Nicht Ihr Ernst.

          Doch, wirklich. Wenn ich schreibe, dann oft begleitet von dem Gefühl: Das ist es irgendwie noch nicht. Deshalb arbeite ich am Computer sogar mit einem Programm, das den Text so formatiert, als wäre es schon ein veröffentlichtes Buch. So wirkt das Ganze ernster, fertiger. Das hat wohl viel mit Selbstvertrauen zu tun.

          Nach einem Blick ins Archiv hatte ich nicht den Eindruck, dass es Ihnen an Selbstbewusstsein mangelt.

          Schreiben ist wohl eine empfindlichere, feinfühligere Sache, als die meisten Menschen meinen.

          In früheren Interviews kamen Sie als zornige, um ehrlich zu sein, oft ziemlich genervte junge Frau rüber.

          Das sind wahrscheinlich Interviews gewesen, die während meiner Buch-Tour stattfanden, als ich Mitte zwanzig war. Oft habe ich zehn Städte in einer Woche besucht, wahrscheinlich war ich an diesen Tagen einfach müde.

          Sie wollten damals, nach Ihrem ersten Roman „Zähne zeigen“, vieles nicht sein - zum Beispiel das „Wunderkind der Literatur“, als das die Kritiker Sie feierten.

          Schon allein diesen Begriff fand ich immer seltsam.

          Sie lehnten auch jeden Versuch ab, Sie als Stimme Ihrer Generation oder auch als Stimme der Frauen zu stilisieren. Warum eigentlich?

          Ich liebe es, zu schreiben. Ich will ein Schriftsteller inmitten von Schriftstellern sein und nicht die Stimme von irgendjemandem.

          Sie hätten es doch als Chance sehen können, zum Beispiel öffentlich für Belange von Frauen einzutreten.

          Ich halte mich als Feministin für so überzeugt, wie man es wahrscheinlich nur sein kann. Und natürlich - Kollegen von mir engagieren sich öffentlich, halten Reden, sind PEN-Mitglieder, aber das ist nicht meine Art.

          Wie würden Sie Ihre Art denn beschreiben?

          Ich stecke alles in meine Bücher, das ist mein Weg, mich auszudrücken.

          Der Erlös Ihrer Anthologie kommt einer Stiftung zugute, die Kinder zum Schreiben ermutigt. Sie fingen jung an zu schreiben. Auch weil Sie jemand dazu ermutigte?

          Die eigentliche Ermutigung war eher die: Meine Eltern hatten keinen Sinn dafür, was für ihre Kinder angebracht war oder nicht.

          Und das war ermutigend?

          Sehr sogar. Keiner von beiden hat eine Universität besucht, beide haben die Schule früh verlassen. Wenn man zu meinen Eltern sagte: „Ich möchte Rapper sein oder Schriftsteller“, sagten sie einfach: „Oh, okay! Very well then.“ Vor allem meine Mutter war sehr laissez-faire.

          Was nahe an Gleichgültigkeit sein kann.

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