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Im Alter von 94 Jahren : Schriftstellerin Rosamunde Pilcher ist tot

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Die britische Autorin Rosamunde Pilcher 1994 am Loch Loggan in Schottland Bild: dpa

Die Erfolgsautorin Rosamunde Pilcher ist im Alter von 94 Jahren an einem Schlaganfall gestorben. Mit ihren Romanen weckte sie in vielen Menschen die Sehnsucht nach einem beschaulichen Leben – und nach Cornwall.

          Rosamunde Pilcher ist am Sonntag an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Das bestätigte ihr Sohn am Mittwoch gegenüber der britischen Zeitung „Guardian“. „Sie war bis vor Weihnachten in bester Verfassung, litt im neuen Jahr allerdings an einer Bronchitis“, erklärte Pilchers Sohn. Die weltberühmte Schriftstellerin wurde 94 Jahre alt.

          Am 22. September 1924 wurde Pilcher in Lelant in der englischen Grafschaft Cornwall geboren. Die als „resolut und strenggläubig“ beschriebene Mutter zog ihre beiden Kinder zeitweise alleine auf. Der Vater war Commander der Royal Navy und unter anderem in Burma tätig. Erste schriftstellerische Versuche unternahm sie schon als Fünfzehnjährige; nach dem Schulabschluss meldete sie sich. 1942 zum Kriegsdienst beim „Women's Royal Naval Service“ und absolvierte einen Sekretärinnenkurs. 1943 wurde sie nach Indien und später nach Ceylon abkommandiert, wo sie das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte.

          Nach ihrer Rückkehr nach Cornwall lernte sie den damals schwer verwundeten Offizier und Jutekaufmann Graham Pilcher kennen, den sie 1946 heiratete. Mit ihrem Mann zog sie ins schottische Dundee, wo dieser im Textilunternehmen seiner Familie arbeitete. Neben ihrer Tätigkeit als Hausfrau und Mutter von vier Kindern besann sich Pilcher wieder auf ihre schriftstellerischen Ambitionen. Bereits während ihres Aufenthalts in Ceylon hatte sie in der Zeitschrift „Woman and Home“ eine erste Kurzgeschichte publiziert. In der Folge schrieb sie zeitweise unter dem Pseudonym Jane Fraser Kurzgeschichten und Romane, die meist im ländlichen Milieu der britischen „Upper Middle Class“ angesiedelt waren und sich in diversen Frauenmagazinen wachsender Beliebtheit erfreuten.

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          Den internationalen Durchbruch schaffte Pilcher, nachdem sie sich auf Anraten ihres Verlags an größeren Romanprojekten versuchte. Ihre Familiensagas „Die Muschelsucher“ (1987) und „September“ (1990) erreichten diesseits und jenseits des Atlantiks Spitzenplätze auf den Bestsellerlisten und gigantische Auflagen. Die deutsche Fassung der beiden Bestseller erschien 1990/1991 bei Rowohlt/Wunderlich. Der gleiche Verlag brachte in der Folge auch frühere Romane der Autorin wie „Lichterspiele“ und „Stürmische Begegnung“ in deutscher Übersetzung heraus. Nach einer Auszeit und dem öffentlich gemachten Entschluss, nie wieder schreiben zu wollen, kehrte die „Mutter der literarischen Seifenoper“ zur Freude ihrer Leser doch an den Schreibtisch zurück und schrieb mit „Wintersonne“ im Jahre 2000 ihren 25. Roman.

          Der ungewöhnliche Erfolg der ihrer Romane über das beschauliche Leben der britischen Mittelklasse gab der Literaturkritik manche Rätsel auf. Elisabeth Endres schrieb dazu in der Süddeutschen Zeitung (31.7.1991): „In den Geschichten der Pilcher wird dem Leser keine vorschnelle Harmonie vorgegaukelt. Es gibt sehr viel hartes Schicksal (...). Gerade deswegen wirkt ihre Grundeinstellung so verführerisch. Das Urvertrauen wird immer wieder bestätigt. Die Welt ist nicht heil, aber heilbar. Und die Schönheit der Natur, der britischen Landschaften wie der Mittelmeerinseln, ist ein Sinnbild dieser Heiterkeit.“ Josef Schloßmacher verwies im Kölner Stadtanzeiger (10.8.1991) auf die besonderen Qualitäten in P.s neo-viktorianischer Prosa und meinte: „Spürbar wird an vielen Stellen, dass man es hier keineswegs mit Retortenkitsch zu tun bekommt. Ihre Idyllen sind von so naiver Unschuld, von so unneurotischer Schlichtheit, dass sie tatsächlich ein ganz heterogenes Publikum erreichen ...“ Die Autorin selbst, die immer für sich ausschloss, „eine Literatin“ zu sein, ließ in einem Interview mit der Illustrierten Quick (19.9.1991) wissen, sie glaube, dass die Leute von Kunstfiguren wie in „Dallas“ oder „Denver“ einfach übersättigt seien und wenigstens in Büchern über ganz normale Leute lesen wollten. Zahlreichen Menschen ist Pilcher auch durchs Fernsehen bekannt: Vierzig ihrer Romane und Erzählungen wurden vom ZDF verfilmt.

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