https://www.faz.net/-gr0-9crwj

Russischer Schriftsteller : Wladimir Woinowitsch gestorben

  • Aktualisiert am

Wladimir Woinowitsch, 1932 bis 2018 Bild: Picture-Alliance

Seine satirischen Erzählungen zwangen ihn in den achtziger Jahren ins deutsche Exil, 1990 kehrte er nach Russland zurück. Jetzt ist der geduldete Kritiker Putins im Alter von 85 Jahren gestorben.

          Der russische Schriftsteller Wladimir Woinowitsch ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Das teilte seine Familie der Agentur Tass am Samstag mit. Berichten zufolge erlag er einem Herzanfall. Woinowitsch hatte von 1980 bis 1990 im Exil in Deutschland gelebt. Er gilt als ein bedeutender satirischer Zeitkritiker Russlands und hat mehrere Preise erhalten, darunter 2016 den Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte. Er soll am Montag in Moskau beigesetzt werden.

          Wegen seiner systemkritischen Erzählungen war Woinowitsch aus dem sowjetischen Schriftstellerverband ausgeschlossen worden und 1980 in die Bundesrepublik gekommen. Seine Werke wie „Ein Vorfall im Hotel Metropol“ (1979) oder „Moskau 2042“ (1986) zeigen am Beispiel von alltäglichen Unzulänglichkeiten die Ineffizienz und Unsinnigkeit des kommunistischen Plansystems.

          Woinowitsch wurde 1932 in Stalinabad geboren, dem heutigen Duschanbe im zentralasiatischen Tadschikistan. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte er eine Handwerkerausbildung und arbeitete zunächst in einer Aluminiumfabrik. 1956 zog er nach Moskau, schrieb sich an der Universität ein und arbeitet als Redakteur bei einem Radiosender. Aufgrund seiner kritischen Haltung zur Staatsmacht wuchs der Druck, weshalb er ins Exil ging. 1990 erhielt er die sowjetische Staatsbürgerschaft zurück und zog wieder nach Russland.

          Russische Kulturschaffende bezeichneten Woinowitschs Tod als großen Verlust. Kulturminister Wladimir Medinski würdigte ihn als Menschen mit klaren Position. „Sein Schaffen war immer ein scharfer Schnitt der Wirklichkeit, meisterhaft vermittelt mit einer lebendigen und unterhaltsamen Sprache“, schrieb er in einem Telegramm an die Angehörigen. Woinowitsch habe auch einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Meinungsfreiheit geleistet, sagte Medinski.

          Weitere Themen

          Neue Helden Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Spiderman - A New Universe“ : Neue Helden

          Schon wieder Spiderman? - Ja, aber anders. Es geht um die großen Themen, wie immer. Aber die Erzählweise hat sich geändert. Wie das geht und ob sich das auszahlt, hat Elena Witzeck analysiert.

          Topmeldungen

          Misstrauensvotum : Wetten, dass May gewinnt?

          Die britische Regierungschefin kämpft ums politische Überleben. Bei den Buchmachern auf der Insel gibt es ein klares Meinungsbild, wie dieses Drama im Unterhaus ausgehen wird.

          Französische Gefährder-Datei : Attentate trotz „Vermerk S“

          Wie der mutmaßliche Angreifer von Straßburg waren auch die Attentäter von „Charlie Hebdo“ oder vom Bataclan in der französischen Sicherheitsdatei „fichier S“ als Gefährder vermerkt. Anschläge konnten sie trotzdem verüben – trotz verdeckter Überwachung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.