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Schriftsteller Maurice Druon gestorben : Was vom alten Frankreich blieb

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Maurice Druon 1918 - 2009 Bild: AFP

Die französische „exception culturelle“ verliert einen unbeirrbaren Streiter: Der kulturkonservative Schriftsteller Maurice Druon, ehemaliger französischer Kulturminister, Sekretär der „Académie française“ und Autor großer Historienromane, ist im Alter von neunzig Jahren gestorben.

          Der französische Schriftsteller Maurice Druon ist am Dienstag im Alter von 90 Jahren in Paris gestorben. Dies teilte eineSprecherin der Académie française nach Angaben französischer Medien mit. Druon, der eine Vielzahl von Büchern veröffentlicht hatte, war Anfang der siebziger Jahre auch französischer Kulturminister. Staatspräsident Nicolas Sarkozy bezeichnete Druon als „großen Schriftsteller“ und „großen Politiker“. Während des Zweiten Weltkriegs war Druon im Widerstand gegen die deutsche Besatzung aktiv.

          Druon wurde am 23. April 1918 als Sohn eines russisch-stämmigen Vaters in Paris geboren. Er galt als Sprachpurist, Hüter französischer Traditionen und überzeugter Gegner von Anglizismen.1966 wurde er als Nachfolger von Georges Duhamel in die Académie française gewählt. Im November 1985 wurde er Ständiger Sekretär dieser ehrwürdigen Institution. Druon hat weit über zwei Dutzend Bücher verfasst.

          Gegen Europa, für die Elite

          Im März 1973 wurde er unter Präsident Georges Pompidou Kulturminister, war aber ein Jahr später schon nicht mehr in der Regierung vertreten. Kabinettskollegen und Künstler stellten sich gegen ihn und seine Auffassung von Kultur und Tradition. Er verurteilte die 68er Bewegung, bekannte sich zu einem nationalen politischen Kurs Frankreichs und gegen die Europa-Idee. Während des Zweiten Weltkriegs war Druon, der zuerst Literaturwissenschaft studierte, bevor er sich den politischen Wissenschaften widmete, Mitglied der Résistance in London, danach Kriegsberichterstatter und Journalist. Mit seinem Onkel, dem Starreporter Joseph Kessel, verfasste er den Text der französischen Widerstandshymne „Lied der Partisanen“ (Le chant des partisans).

          Nachdem er als Kriegsberichterstatter an verschiedenen Schauplätzen gearbeitet hatte, widmete er sich ganz der Literatur. Nur kurze Zeit später, im Jahr 1948, erhielt er im Alter von dreißig Jahren für seinen Roman „Die großen Familien“ den begehrten Prix Goncourt. In dem Buch beschreibt er die Auflösung der französischen Elite am Vorabend des Zweiten Weltkrieges, die er für alle Katastrophen verantwortlich macht. Druon schrieb vorwiegend historische Romane. Das mehrbändige Werk „Die unseligen Könige“ reicht von Philipp dem Schönen bis zu Heinrich IV. Seine Bücher und sein Kampf für die Konservierung des Überlieferten, seine Eleganz und sein Sprachempfinden gefällt vor allem denen, die das alte Frankreich lieben.

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