https://www.faz.net/-gr0-8wifd

„Ein großer Poet“ : Russischer Dichter Jewgeni Jewtuschenko gestorben

  • Aktualisiert am

Jewgeni Jewtuschenko 2015 in Moskau Bild: dpa

Als Stalin starb und das Land freier atmete, gab der Dichter Jewgeni Jewtuschenko einer ganzen Generation eine Stimme. Er sah das sowjetische System kritisch – und brach doch nie ganz damit.

          1 Min.

          Der russische Dichter Jewgeni Jewtuschenko ist mit 84 Jahren am Samstag in den Vereinigten Staaten gestorben. Wie das russische Staatsfernsehen berichtete, starb er in einem Krankenhaus in Tulsa im Bundesstaat Oklahoma.

          Jewtuschenko, geboren 1932, machte sich vor allem als Dichter der Entstalinisierung und des sogenannten Tauwetters in den sechziger Jahren einen Namen. Präsident Wladimir Putin sprach der Familie sein Beileid aus. „Jewtuschenko war ein großer Poet, sein Erbe ist ein wichtiger Teil der russischen Kultur“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

          In dem Gedicht „Babi Jar“ erinnerte Jewtuschenko an den deutschen Massenmord an Kiewer Juden 1941 und verband dies mit Warnungen vor Antisemitismus in der Sowjetunion. In Deutschland wurde er auch mit seinen autobiografischen Romanen „Stirb nicht vor deiner Zeit“ (1994) und „Der Wolfspass. Abenteuer eines Dichterlebens“ (2000) bekannt.

          „Poetisches Symbol einer ganzen Epoche“

          „Er war einer der herausragenden Dichter der Sowjetunion und Russlands, und er wird uns sehr fehlen“, sagte der Direktor des Gorki-Literaturinstituts, Alexej Warlamow, der Agentur Tass. Jewtuschenko hatte an dem Institut in Moskau studiert, es 1954 aber aus politischen Gründen verlassen müssen. Erst 2001 wurde ihm sein Abschlussdiplom nachgereicht.

          Der russische Schriftstellerverband würdigte Jewtuschenko als „poetisches Symbol einer ganzen Epoche“. Sein letzter Wille sei, in dem Moskauer Literatenvorort Peredelkino begraben zu werden, sagte Michail Morgulis, ein Freund der Familie. In Peredelkino ist auch das Grab des Literaturnobelpreisträgers Boris Pasternak (1890-1960).

          Der vielfach ausgezeichnete Dichter schuf auch Prosawerke und arbeitete als Regisseur und Drehbuchautor. Mit seinen Lesungen füllte Jewtuschenko in Russland ganze Hallen und Stadien. So kritisch er das sowjetische System sah, brach er doch nie ganz damit. Im nach-sowjetischen Russland beklagte er die „kommerzielle Zensur“, die „McDonaldisierung der Kultur“. Ab 1992 lehrte er in Tulsa in Amerika als Gastdozent russische Literatur. Jewtuschenko war viermal verheiratet und hat fünf Söhne.

          Weitere Themen

          Skulpturen auf Bleistiftspitzen Video-Seite öffnen

          Kunstwerke in XXS : Skulpturen auf Bleistiftspitzen

          Der bosnische Künstler und Bildhauer Jasenko Đorđević schafft es, unglaublich winzige und dennoch detailreiche Skulpturen aus Bleistiftminen zu erschaffen. Seine Miniaturkunst zeigt er in Ausstellungen in ganz Europa.

          Topmeldungen

          Der Förderstopp betrifft auch die Sanierung von Altbauten.

          Nach Habecks Entscheidung : Zoff um die Fördermilliarden

          Selbst innerhalb der Ampelkoalition kommt die Entscheidung nicht gut an: Die Einstellung der KfW-Gebäudeförderung stößt auf viel Kritik. Und ein wichtiges Argument für den Nachtragshaushalt gerät ins Wanken.
          Max Otte am Dienstag zwischen Alice Weidel und Tino Chrupalla

          Von der AfD nominiert : Otte sieht Kandidatur nicht als Provokation

          Der CDU-Politiker Max Otte will mit seiner von der AfD unterstützten Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten „Gräben zuschütten“, sagt er. Der AfD-Vorsitzende Chrupalla lobt den Vorsitzenden der konservativen Werte-Union.