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Nach erfundener Auschwitz-Rede : Rheinland-Pfalz überprüft Ehrung, Menasse hält Aufregung für „künstlich“

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Für seinen EU-Roman „Die Hauptstadt“ hat der österreichische Schriftsteller Robert Menasse 2017 den Deutschen Buchpreis erhalten. Bild: dpa

Robert Menasse hat Walter Hallstein eine Rede in Auschwitz angedichtet. Jetzt wird diskutiert, ob der Schriftsteller wie geplant die Carl-Zuckmayer-Medaille erhalten soll. Der Buchpreisträger von 2017 reagiert.

          Nach Vorwürfen zum Umgang mit Zitaten und historischen Daten überprüft die rheinland-pfälzische Landesregierung die geplante Ehrung des Schriftstellers Robert Menasse mit der Carl-Zuckmayer-Medaille. Es seien Gespräche mit allen Beteiligten im Gange, sagte an diesem Freitag eine Sprecherin der Staatskanzlei in Mainz. „Aufgrund der Debatte um umstrittene Äußerungen des österreichischen Schriftstellers Robert Menasse suchen wir das Gespräch mit dem Autor und den Mitgliedern der Fachkommission, die ihn als Preisträger vorgeschlagen hatte, um den Sachverhalt zu prüfen.“

          CDU-Fraktionschef Christian Baldauf forderte, Menasse dürfe die Zuckmayer-Medaille nicht erhalten. Die Verleihung der höchsten kulturellen Auszeichnung des Landes ist für den 18. Januar vorgesehen – am Todestag des rheinhessischen Dichters.

          Bei den Vorwürfen geht es Medienberichten zufolge um die von Menasse vorgebrachte Behauptung, dass der erste Kommissionspräsident des EU-Vorläufers Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, Walter Hallstein, seine Antrittsrede 1958 auf dem Gelände des früheren NS-Vernichtungslagers Auschwitz gehalten haben soll, was aber nicht der Fall gewesen sein soll.

          Bereits Ende 2017 warf ein Historiker Menasse vor, Hallstein zu einer tatsächlich gehaltenen Rede falsch zitiert zu haben. Damals reagierte Menasse nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ mit dem Argument, dass ein Dichter andere Freiheiten im Umgang mit Quellen und Zitaten habe als ein Wissenschaftler oder ein Journalist.

          Jetzt hat Menasse Fehler eingeräumt und sich dafür entschuldigt. „Die Anführungszeichen waren, vom wissenschaftlichen Standpunkt betrachtet, ein Fehler“, sagte der Träger des Deutschen Buchpreises 2017 in einem Beitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ (Samstag). „Dafür entschuldige ich mich, das tut mir leid.“ Er habe selbst verschiedentlich darauf hingewiesen, dass er Hallstein nicht wörtlich, sondern sinngemäß wiedergegeben habe, erklärte Menasse. Die Kritik an seinem Umgang mit Zitaten bezeichnete er als „künstliche Aufregung“.

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