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Peter Handke als serbischer Nationalist : Ich sehe was, was ihr nicht fasst

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Eines der literarischen Merkmale von Handkes Schriften zum Zerfall Jugoslawiens bildete schon frühzeitig die Hinwendung zu unscheinbaren „Details“, zu „Nebensachen“, die laut Handke von einem auf politische Statements fixierten Auslandsjournalismus notorisch übersehen werden. Diese Details, von denen viele - etwa die auf einem Belgrader Wochenmarkt entdeckten „andersgelben Nudelnester“ - den Spott der Kommentatoren erfahren haben, werden noch in der jüngsten literarischen Veröffentlichung Handkes zum Thema in den Vordergrund gestellt. Sie sind sehr viel weniger naiv und unschuldig, als es den Anschein hat.

Die im letzten Jahr erschienene Schrift „Die Kuckucke von Velika Hoca“ (siehe: Peter Handke beschreibt seine Reise in das Kosovo) schildert eine Reise Handkes in das Dorf Velika Hoca, das eine von Serben bewohnte Enklave innerhalb des Territoriums der 2008 ausgerufenen Republik Kosovo bildet. Im Kosovo angekommen, kauft sich der Reisende eine Landkarte des „ethnischen Albanien“ aus dem Jahr 2001. Auf dieser Karte, die „drei Jahre vor dem Märzpogrom von 2004“ gedruckt wurde, sucht Handke das serbisch-orthodoxe Erzengelkloster bei Prizren vergeblich: „Demnach bestand also das Erzengelkloster auf der Karte nicht mehr, schon lange bevor es tatsächlich zerstört wurde.“

Die Suggestion des Erzählers ist klar: Handke unterstellt den Kosovo-Albanern einen lange im voraus gefassten Zerstörungsplan. Er variiert damit, unabhängig von der Tatsache, dass es neben serbischen Übergriffen im Jahr 2004 auch von Seiten der Kosovo-Albaner gewaltsame Übergriffe gegeben hat, die alte Legende des von den Kosovo-Albanern begangenen „Genozids“ am serbischen Volk. Diese Legende findet sich im Gründungsmanifest des serbischen Nationalismus, dem Memorandum der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste von 1986. Sie dient seit 1987 der serbischen Expansionspolitik unter Milosevic als Vorwand für die Gleichschaltung der autonomen Provinz Kosovo - der Anfang vom Ende des jugoslawischen Staates. In seinem Text „Eine winterliche Reise“, der Ende 1995, wenige Monate nach dem Massaker von Srebrenica, entstanden ist, zitiert Handke zustimmend die Äußerung eines ehemaligen jugoslawischen Partisanen, der vom „Ausrotten des serbischen Volkes“ spricht. Mit dieser effektvoll am Ende seines Textes plazierten Formulierung übernimmt Handke Geist und Buchstaben des serbischen Memorandums.

Themenwahl steckt voller Symbolik

In dieselbe Richtung zielt ein „Detail“, das einer Episode aus Handkes Text „Die Tablas von Daimiel“ von 2005, dem „Umwegzeugenbericht“ über den Milosevic-Prozess vor dem Haager Kriegsverbrechertribunal, entstammt. Handke erzählt dort von einer Reise ins Kosovo im Jahr 1996, bei der er und ein kosovarisch-serbisches Ehepaar im „Moment des Auf-die-Straße-Tretens“ von der albanischen Menge „weg- und ausgezählt werden“. Kommentar des Erzählers: „Warum aber sehe ich, nein, sah ich schon da und damals, in solchem tausendäugigen Registriert- und Für-nicht-vorhanden-Erklärtwerden, bei totaler Passivität sonst eine Aktion, eine symbolische, ein Tun, das Vorwegnehmen eines Tuns?“

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