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Eine Lesereise durch Indien : Hero Hitler in Love

  • -Aktualisiert am

Ein indischer Eis-Dealer verkauft in Delhi „Hitler“-Eiswaffeln. Bild: Ents Images

In Indien ist der Name des Massenmörders eine beliebte Marke: Was ein Schriftsteller erlebte, als er dort sein Buch über die Drogensucht der Nazis vorstellte.

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          Der schnauzbärtige Bulle in Kalkutta ist so bedröhnt, dass er mir nicht einmal mehr den Weg zur nächsten U-Bahn-Station erklären kann – Heroin vielleicht oder irgendein Opioid. Seinen beiden Kollegen geht es nicht besser. Sie haben sich in einem Kubus aus Sicherheitsglas vor dem Kali-Tempel verschanzt. Drum herum liegen Leute in ihren Lumpen auf dem Asphalt, ein Baby schreit seinen Hunger in die sternenlose Nacht, eine Frau und ein Mann, die Eltern vielleicht, hocken daneben, selbst schon zu fertig, um irgendwas zu tun. Straßenlaternen bedecken die verstörende Szenerie mit einem diffusen, orangefarbenen Licht.

          Vor der Kalighat-Metro-Station, die kurz vor Mitternacht bereits geschlossen ist, sitzt ein Straßenverkäufer mit Raubkopien der Hindi-Übersetzung von „Mein Kampf“, in der „Complete Edition with Rare Photographs“. Außerdem hat er Dan Brown und John Grisham im Angebot. Der Taxifahrer in seinem schön geschwungenen Ambassador ist Anfang zwanzig: Klar hat er „Mein Kampf“ gelesen: bisschen langweilig vom Stil her, aber jeder lese das. Man wolle doch wissen, wie Hitler die Wirtschaft zum Laufen gebracht habe. Hitler sei nämlich ein sauberer Mann und auch Arier wie die Hindus. So jemand müsse mal nach Kalkutta kommen und den ganzen Unrat von den Straßen waschen. So sagt es der Taxifahrer, der mich durch das Neonlicht ins Hotel zurückbringt.

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